BUGA naturnah? – Biodiversität auf der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt

Biodiversität, das ist die Vielfalt der Arten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme – etwas, das im ungestörten Zusammenspiel von Flora und Fauna von Natur aus gegeben ist. Doch wie kann eine Stadt biologisch vielfältig und naturnah sein? Oder eine Bundesgartenschau, die Ausstellung der Gartenbaubranche, die sich dem intensiven Anbau von Blumen, Obst und Gemüse und den dazu notwendigen Techniken und Tätigkeiten verschrieben hat? Was können Stadt und BUGA zur biologischen Vielfalt tatsächlich beitragen?

In einer Zeit, in der „Nachhaltigkeit“ schon lange kein neumodischer Begriff mehr ist und „Klimaschutz“ an gesellschaftlicher und politischer Bedeutung gewinnt, ist auch eine Bundesgartenschau gefragt, ihren eigenen Beitrag zu diesen Themen zu überprüfen. Bauen für die Zukunft, eine saubere Stadt für unsere Kinder, Freude am gesunden Stadtleben. Die BUGA Erfurt 2021 hat sich auch diesen Leitthemen verschrieben.

Stadt, Natur und Gartenschau – aber das passt einfach nicht zusammen! Oder doch?

Von einer Bundesgartenschau erwarten die Besucher eine dichte, üppige Blumen- und Pflanzenpracht, attraktive, vielfältige und qualitativ hochwertige Pflanzungen und „Blüten ohne Ende“. Ein Angebot, das die BUGA Erfurt 2021 liefern wird: Mehr als 7.000 Quadratmeter Wechselflor auf den Ausstellungsflächen Petersberg und egapark, über 5.000 Quadratmeter Staudenbepflanzung, hunderte Rosen-, Dahlien-, Iris-, Pelargonien- und Pfingstrosensorten, dazu Blumenschauen, Themengärten, besondere Gehölze und Kübelpflanzen – Blumen auf über 87.000 Quadratmetern.

Aus ökologischer Sicht leistet die BUGA damit einen unschätzbaren Beitrag zur Stadtnatur:

Die arten-, sorten- und strukturreichen gärtnerische Anlagen, jedes für sich ein kleines Biotop, und ihre vielseitigen gartenbauliche Kulturen, schaffen natürliche Lebensräume und Rückzugsorte für einheimische Tierarten. Die Züchtung, Pflege und Erhaltung neuer sowie rarer und wiederentdeckter Sortimente sichert die genetische Vielfalt, die wiederum bessere Resistenzen gegen Krankheiten, Schädlinge und Wetterextreme verspricht. Zudem bietet die BUGA durch die Ausstellung der grünen Berufsfelder Anregungen für Hobbygärtner zur Gestaltung des eigenen Grüns und trägt damit auch zur Erweiterung der Biodiversität in der Stadt, den Vororten und auf dem Land bei.

Der sogenannte Garten Thüringens, der egapark, hat sich bereits seit Jahrzehnten dem Erhalt und der Förderung der Arten- und Sortenvielfalt durch die Schaffung vielseitiger und attraktiver gärtnerisch gestalteter Lebensräume verschrieben. Doch diese grünen Lebensräume dienen nicht nur der Naherholung und es werden nicht ausschließlich Kulturpflanzen verwendet: Im Waldpark und weiteren Parkbereichen, in deren Bestand weniger stark eingegriffen wird, findet man diverse Arten heimischer Wildpflanzen.

Dass der Park ein wichtiges Ökosystem in der Stadt darstellt, zeigt die Vielfalt an Tieren, wie Insekten, Vögeln und Fledermäusen. Und auch der Petersberg mit seiner Festungsmauer ist ein städtisches Biotop, das unzähligen Tieren wie auch Pflanzen eine Heimat bietet. Fledermäuse, Wildbienen, der Rosenkäfer – sie alle leben mit einer Vielzahl weiterer Arten über den Dächern der Altstadt.

Biodiversität zur BUGA 2021 ist somit ein vielschichtiges Thema, dass sich in verschiedensten Aspekten zeigt. Eine kleine Auswahl:

  • Im Klimawald im egapark werden Pflanzen- und Baumarten gezeigt, die beispielsweise Hitze- und Trockenstress besser vertragen, aber z.B. auch zur Feinstaub- oder Ozonbindung beitragen.

  • Durch die Kombination verschiedenster Blüh- und Zierpflanzen erhöhen sich die Insekten- und Bestäuberfreundlichkeit und damit auch die Anzahl der Nahrungsquellen für unterschiedlichste Insektengruppen.

  • Während der BUGA, und auch darüber hinaus, sorgen die Gärtner für besonders lange Blütezeiten durch die ganzjährig attraktive Bepflanzung für Besucher – Blüten vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst hinein, wenn pollen- und nektarspendende Blüten in der Natur rar sind. Neben den Blüten bietet auch der Fruchtschmuck von Gehölzen und Stauden Nahrungsquellen für Insekten und Vögel.

  • Nachhaltigkeit im egapark zeigt sich auch in den mit Stauden und Gehölzen dauerhaft bepflanzten Themengärten. Der Karl-Foerster-Garten oder die Staudenschau garantieren lange Blütezeiten und sind durch die mehrjährige Bepflanzung besonders ressourcenschonend. Der Rosen- und Liliengarten oder auch das Große Blumenbeet begeistern mit einem einzigartigen Arten- und Sortenreichtum.

  • Die Vielzahl von gärtnerischen Ausstellungen und Beiträgen ermöglicht eine Biodiversität, die gegenüber Monokulturen, wie sie auf Agrarland oder in manchen Vorgärten zu finden sind, wesentlich resistenter gegenüber Krankheiten, Schädlingen und Wetterextremen ist.

  • Neben der Pfingstrosen- und Irissortenschau werden im egapark auch in Erfurt gezüchtete Staudensorten präsentiert. Auf dem Petersberg werden zudem historische Erfurter Gemüsesorten gezeigt, die heute z.T. gar nicht mehr angebaut werden. Sie können so auch für die kommenden Generationen bewahrt werden.

Stadt und Natur sind schon lange keine Gegensätze mehr. Untersuchungen des Bundesamtes für Naturschutz haben bestätigt, dass der besiedelte Raum inzwischen eine größere Artenvielfalt aufweist als die offene Agrarfläche. Parks und Grünanlagen wie die Geraaue im Erfurter Norden garantieren Biodiversität im Ökosystem Stadt und fungieren als grüne Lungen. Diese naturnahen, grünen Oasen bieten verschiedenste Lebensbereiche für Pflanzen wie Tiere, aber auch ein lebenswerteres Stadtumfeld für den Menschen und die Möglichkeit, Natur in seiner Vielfältigkeit mit allen Sinnen zu erleben und zu genießen. Bäume und Sträucher säubern die Luft von Feinstaub und binden Kohlenstoffdioxid, produzieren auf der anderen Seite selbst Sauerstoff. Stadtgrün mindert Lärm und ist für das Mikroklima in der Stadt bedeutsam, indem es an heißen Tagen für Abkühlung sorgt und Regen im Boden versickern lässt. So tragen auch der Erfurter 36 Hektar große egapark, der 19 Hektar umfassende Petersberg und die 60 Hektar große Geraaue zur Gesundheit und Erholung der Erfurter bei.

BUGA Erfurt 2021 und Biodiversität passen zusammen. Dort wo es blüht und grünt ist der Mensch gern!