Es ist schon eine ganze Zeit lang her, dass Erfurt im ganzen deutschsprachigen Raum als Blumen- und Gartenbaustadt bekannt war. Heute sind es eher die Krämerbrücke, die Domstufenfestspiele oder die ARD-Vorabendserie „Die jungen Ärzte“, die Thüringens Landeshauptstadt auch über die Grenzen des Freistaates hinaus bekannt machen. Doch für Annegret Rose und Eberhard Czekalla ist dieser Wandel kein Grund, nicht wieder an das einstige Signum Erfurts anzuknüpfen.

 

Bis 2006 leitete Eberhard Czekalla, der an der Berliner Humboldt-Uni seinen Doktor in Agrarwissenschaft erworben hatte, das Lehr- und Versuchszentrum für Gartenbau. Und auch wenn Czekalla schon seit mehr als 10 Jahren im Ruhestand ist, so gilt er bis heute als eine Institution auf seinem Feld. Kein Wunder also, dass er auch die Planungen für die Bundesgartenschau 2021 so stark wie möglich unterstützt. Zusammen mit Annegret Rose, die den gleichnamigen Saatzucht-Betrieb führt, leitet er die Erfurter Blumenfelder. Ein Projekt, das eigens für die Bundesgartenschau öffentliche Blumenfelder an den großen Einfallstraßen der Stadt entstehen lassen will.

 

„Wir wollen damit an die lange Tradition, die Erfurt im Gartenbau hat, anknüpfen und den Erfurtern und ihren Gästen die wichtige Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges für unsere Region vor Augen führen“, erklärt Dr. Czekalla. Nur wenn der Gartenbau im Gespräch mit der Gesellschaft bleibe, gäbe es die Chance, eine gemeinsame und positive Entwicklung anzustreben.

Was jedoch einfach klingt, das ist in der Umsetzung eine Herausforderung. Denn einfach Samen in die Erde, Wasser drauf, wachsen lassen, das ist nicht das Ziel des Projekts. Bereits seit 2018 laufen Versuche mit verschiedenen Samenmischungen. „Es geht uns darum zu schauen, welche Pflanzen für das Projekt der Blumenfelder am besten geeignet sind“, erklärt Annegret Rose.
So wollen Rose, Czekalla und ihre Mitstreiter eine Mischung finden, die die größtmögliche Wirkung auf den Betrachter entfaltet. „Die Blumen müssen zum einen anspruchslos sein, zum anderen geht es darum, dass sie möglichst lange blühen und auch noch kräftige Farben haben“, begründet Annegret Rose die langjährigen Tests, für die sie kostenlos Versuchsparzellen auf ihren Marbacher Anbauflächen zur Verfügung stellt. Auf jeweils 20 Quadratmetern werden schon jetzt potenzielle Aussaatmischungen getestet, um im BUGA-Jahr 2021 bunte Blumenfelder entstehen zu lassen. Zusammen mit einigen weiteren Versuchsparzellen im egapark soll so aus den Blühern das Optimum herausgeholt werden.

 

Doch bei aller Vorbereitung, Planung und vorsorglicher Beobachtung der Samen, das Projekt wird ein Risiko sein, bis die letzte Blume verblüht ist. „Keiner kann wissen, wie das Wetter im Jahr 2021 sein wird“, sagt Annegret Rose und verweist dabei auch auf die vergangene Gartenbausaison. Diese sei viel zu trocken gewesen, außerdem sei die Aussaat aufgrund der Wetterumstände erst spät erfolgt. Bedingungen, die in zwei Jahren hoffentlich besser sind. Schließlich sei, so erklärt Eberhard Czekalla, der Boden in und um Erfurt auf Grund seiner Beschaffenheit eigentlich ein hervorragender Wasserspeicher. Dieser Speicher muss allerdings auch gefüllt werden, bevor er die auf ihm wachsenden Pflanzen versorgen könne.

 

Doch die Blumenfelder sollen nicht nur für Zierpflanzenfreunde und Passanten eine Bereicherung sein. Auch Insekten und andere Kleintiere werden vom Projekt profitieren. „Wir haben bereits in unseren Versuchsparzellen feststellen können, dass die bunten Blumen auch verschiedene Tierarten anziehen“, freut sich Annegret Rose. Zusammen mit Fachhochschule laufe deswegen auch im Sommersemester 2019 ein Seminar, bei dem sich die Studierenden mit dem Beflug der Samenmischungen auseinandersetzen, um mehr Erkenntnisse über den gesamtökologischen Stellenwert der Blumenfelder zu erfahren.

 

Finanziert wird das Projekt durch die Freunde der Bundesgartenschau 2021.Sie haben 6000 Euro für das Saatgut zur Verfügung gestellt. Die Aussaat erfolgt wiederum mit einer speziellen Drillmaschine, die im Lehr- und Versuchszentrum für Gartenbau zu finden ist und von dort zur Verfügung gestellt werden soll.

Text: Paul-Philipp Braun

Fotos: Steve Bauerschmidt