Die BUGA weiter denken

Gut 130 Jahre ist es her, dass Arbeiter und Beamte im Daberstedter Gasthaus Zum Hirsch eine Genossenschaft gründeten. Diese besteht auch heute noch und hat sich seit ihrer Gründung erfolgreich entwickelt. Denn 2020 gehören zur Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Einheit rund 7240 Wohnungen, etwa 10.000 Mitglieder halten Anteile an der Genossenschaft. „Wir sind für unsere Mitglieder da“, sagt Vorstandsvorsitzender Christian Büttner und ist sichtlich stolz, dass das Unternehmen im Haus des Wohnens am Erfurter Karl-Marx-Platz sich nicht nur über die Zeit hinweg gehalten hat, sondern dass es sich auch aktiv in die Gestaltung der Stadt einbringt. Es sei ihm wichtig, betont Büttner, dass die Mitglieder gern in ihren Vierteln und bei der WBG Einheit wohnten. „Ein neues Mitglied für eine Wohnung zu finden, das ist in der Regel nicht schwer. Menschen aber in deren Umfeld zu halten und sie zufrieden zu machen, das ist unsere Aufgabe als Genossenschaft“, erklärt er.

Vor allem während der Zeit der intensiven Corona-Beschränkungen sei das genossenschaftliche Prinzip der WBG Einheit aufgegangen. So hätten sich die Mitarbeiter aktiv um die Mitglieder gekümmert, der Wohnpartner – also das Genossenschaftsmagazin – brachte eine Sonderausgabe mit Tipps rund um die Krise heraus und auch die Mietzahlung sei an die bisweilen schwierigen wirtschaftlichen Umstände der Mitglieder angepasst worden. Für Christian Büttner eine zentrale Aufgabe der WBG: „Wir müssen den Menschen einen festen Anker geben, dürfen sie auch in einer schwierigen Zeit nicht alleine lassen.“
Das Projekt der Genossenschaftslotsen ist einer dieser Anker. Ähnlich wie ein Quartiermanager kümmert er sich um das Wohnumfeld und vor allem um die persönlichen Probleme der Mitglieder. Der Lotse vermittelt bei Nachbarschaftsstreitigkeiten und hilft in individuellen Krisen. Damit ist der Genossenschaftslotse, wie Christian Büttner erklärt, sowohl für das Unternehmen aber eben noch mehr für dessen Mitglieder ein wichtiger Ansprechpartner vor Ort.

 

Vor allem im Erfurter Südosten sind die Häuser der WBG Einheit angesiedelt. Die Ortsteile Daberstedt, der Wiesenhügel, der Herrenberg und auch das Gebiet Melchendorf gehören dazu. Und auch wenn die WBG Einheit nur wenig räumlichen Bezug zur Bundesgartenschau Erfurt 2021 hat, sie ist als Partner mit dabei. Für Christian Büttner eine Selbstverständlichkeit und vor allem eine Ehrensache. Schon lange pflegt die WBG ein sehr gutes Verhältnis zum egapark. „Wir haben derzeit dort 20 Leih-Bollerwagen mit unserem Logo stationiert, im BUGA-Jahr kommen weitere 20 hinzu“, berichtet WBG-Vorstandsvorsitzender Büttner. Und auch während der Corona-Pandemie habe das Verhältnis zur Gartenausstellung noch einmal einen ganz besonderen Ansatz bekommen. 1.000 Frühblüher konnten wegen der Schließzeit der ega nicht gepflanzt werden. Die WBG nahm die Blümchen entgegen, schickte ihre Mitarbeiter ins Beet und brachte so die eigentlich für den egapark bestimmten Primeln und Stiefmütter in die Vorgärten ihrer Wohnobjekte. Auch Kindergärten und Schulen – damals noch mit einer Notbetreuung im Haus – durften sich über die zierlichen bunten Pflänzchen freuen.

 

Während der BUGA will die WBG Einheit vor allem auf Werbung für das Event setzen. „Wir halten uns in dieser Zeit eher im Hintergrund“, erklärt Christian Büttner. Die WBG-Bollerwagen rollen dann aber umso stärker durch den egapark, da ist er sich sicher. Schließlich sind sie ein perfektes Transportmittel, das vor allem die kleinen BUGA-Besucher bequem über die Ausstellungsfläche bringt. Ganz persönlich freue er sich, sagt Büttner, auf die 171 Tage des Gartenfestes. Es sei ein toller Mehrwert für die Stadt und auch für die Unternehmen in der Region. Und er ist sich sicher, dass es auch den vielen Mitgliedern der Wohnungsbaugenossenschaft Einheit so geht.

 

Dennoch ist das Thema der Bundesgartenschau Erfurt 2021 für ihn und mit dem Oktober 2021 noch nicht abgeschlossen. Einige dauerhafte Anlagen und vor allem die Ausstellungsflächen selbst, also egapark und Petersberg, bleiben schließlich nach der BUGA bestehen. Auch dann möchte die WBG Einheit sich weiterhin engagieren. Denn die WBG und der egapark kooperieren schon seit einigen Jahren für verschiedene Projekte miteinander. Dass diese Nachhaltigkeit nun auch mit und nach der Bundesgartenschau fortgesetzt werden soll, für Christian Büttner eine Selbstverständlichkeit: „Wir denken die BUGA weiter.“

 

Text: Paul-Philipp Braun

Fotos: WBG Einheit