Die Dahliengärtnerin mit dem Gemüse auf dem Kopf

Seit 200 Jahren gehören Dahlien zu Bad Köstritz wie der Gartenbau zu Erfurt: In der ostthüringischen Kleinstadt wurde 1826 die erste deutsche Handelsgärtnerei für Dahlien eröffnet. Christian Deegen war es, der sich in die hübsche Blume verliebte und sie aus den Großherzoglichen Gärten Weimars in die Stadt brachte.

 

Im Jahre 1812, damals noch ein 14-jähriger Jugendlicher und aus Kahla stammend, bekam Deegen vom Weimarer Hofgärtner Conrad Sckell Dahlienknollen aus dem Schlosspark Belvedere geschenkt. Diese waren damals noch einfachblühende und recht unscheinbare Blumen. Es war erst wenige Jahre her, dass Humboldt von seiner großen Reise nach Zentralamerika zurückgekehrt war und von dort die "Aztekenblume" nach Deutschland mitgebracht hatte. Obwohl nicht aus einer Gärtnerfamilie stammend, entwickelte und züchtete Deegen in den folgenden Jahren die Dahlie immer weiter. Mithilfe eines Lotteriegewinnes und der Mitgift seiner Frau konnte er das zum Verkauf stehende fürstliche Sommerpalais nebst Garten erwerben und dort die benannte Gärtnerei gründen.

 

Der Dahlienbetrieb Deegen ist verschwunden, der Name „Köstritzer Dahlien“ aber lebt weiter. Ihr Anbau ist zu einer Tradition geworden, obgleich diese nur noch von wenigen gepflegt wird. Genauer, nur noch von der Gärtnerei Paul Panzer. In fünfter Generation führt Inhaber Dirk Panzer den Familienbetrieb – zusammen mit seiner Frau Katrin.

 

„Wir sind der letzte Dahlienbetrieb in Thüringen und einer der letzten überhaupt in Deutschland“, sagt Katrin Panzer. Mehr als 300 Sorten der ursprünglich aus Mittelamerika stammenden Blume werden hier angebaut. Jedes Jahr im September kommen sehr viele Besucher in der Gärtnerei vorbei, um sich auf dem bunt blühenden Sortenbeet die Dahlien fürs nächste Jahr auszusuchen. Diese können im Frühjahr persönlich abgeholt werden. Wer das nicht schafft, kann sie sich aber auch zusenden lassen, was immer mehr genutzt wird. Das liegt auch an dem Onlineshop, der Dahlienliebhabern von überall die Möglichkeit bietet, die Blumen digital anzusehen und per Mausklick zu bestellen. Und Dahlienliebhaber aus ganz Deutschland haben sie: Seit 1995 nimmt der Gartenbaubetrieb an jeder Bundesgartenschau teil und liefert Dahlienpflanzen an die großen Gärten und Parks in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Potsdam, Erfurt und auf der Insel Mainau.

 

Nichtsdestotrotz sei auch der persönliche Kontakt zum Kunden immer sehr wichtig. Ein Kontakt, den Katrin Panzer, ihr Mann Dirk und die vier Mitarbeitenden der Gärtnerei im Betrieb und auch auf Veranstaltungen hegen. „Wir sind schon seit Jahren auf dem Tag der Dahlie im egapark Erfurt vertreten“, berichtet Katrin Panzer, die vor allem die freundliche und angenehme Atmosphäre dort schätzt.

 

Doch nicht nur der Tag der Dahlie verbindet die studierte Gartenbauingenieurin mit Erfurt. Auch ist sie in der Landeshauptstadt geboren und aufgewachsen. Obgleich sie ihr berufliches und persönliches Glück inzwischen in Bad Köstritz findet, kommt sie nicht nur für Familienbesuche nach Erfurt. So auch Mitte Juli, als die 54-Jährige für die aktuelle Werbekampagne der Bundesgartenschau 2021 Modell stand. Eindrücklich erinnert sich Katrin Panzer an den dafür betriebenen Aufwand mit einem Fotografen- und Filmteam, einer Projektkoordinatorin und zwei eigens aus Berlin angereisten Maskenbildnerinnen. Letztere hatten eine Perücke aus verschiedenen Gemüsesorten für sie gebastelt. Eine Erbsenschote, eine Paprika, Brokkoli und Blattsalat wechselten sich mit allerlei Begleitgrün und Blumen ab. Eine Anspielung auf die geplante Gemüseausstellung am Petersberg und die reiche Gartenbautradition in Erfurt.

 

Seit dem 2. September sieht man die Thüringer Gärtnerin auf Großplakaten, Anzeigen, Flyern und im Internet für die BUGA 2021  in Erfurt werben. „Ich blühe für das Neue auf dem Petersberg“, steht neben ihrem Porträt. Und natürlich hat es auch eine kleine Dahlie mit in die Perücke geschafft.