Die Generalistin

„Wenn wir Schule geschwänzt haben dann sind wir ins Museum gegangen“, sagt Sibylle Küttner. Schon in der Schule sei ihre Leidenschaft für das Vergangene geweckt worden: „Ich hatte in der elften Klasse den Leistungskurs Geschichte belegt und wusste, das ist es, was ich künftig machen wollte.“

Nach dem Abitur in Frankenberg/Eder studierte sie in Marburg, Edinburgh, Frankfurt am Main und Hamburg Geschichte, Archäologie und Geografie. In Hamburg  schrieb sie ihre Magisterarbeit zu „Farbige Seeleute in der deutschen Handelsschiffahrt bis 1914“ – ein Thema, zu dem sie über die Beschäftigung mit der Kolonialgeschichte kam, in deren Rahmen sie unter anderem in Tansania forschte.

 

Nach dem Studium blieb Hamburg ihre vorläufige Heimat. Am Archäologischen Museum, beschäftigte sie sich unter anderem mit Online-Diskussionsforen für Museen – 2008 ein echtes Novum. Nach 21 Jahren Hansestadt ging es jedoch in die entgegengesetzt Richtung nach Bayern. Das Museum Starnberger See wurde ihre neue berufliche Heimat. Idyllisch im Südwesten Münchens gelegen, ist das Museum ein wahres Kleinod. Es ist in einem ehemaligen Lustschloss aus dem 16. Jahrhundert und kontrastierend in einem modernen Bau eingerichtet.

Weniger klein und mit großem Potenzial versehen ist das Deutsche Gartenbaumuseum. Ein Ort, in den Sybille Küttner sich schon beim ersten Besuch verliebte. „Ich hatte damals eigentlich nach Möglichkeiten zur Gestaltung eines Bauerngartens für unser Starnberger Museum gesucht und war deswegen nach Erfurt gekommen“, berichtet sie von ihrer ersten Begegnung auf der Cyriaksburg. Es habe sich dabei zwar schon bald abgezeichnet, dass sie nicht fündig werde, dennoch ließ das ungewöhnliche Museum auf dem ega-Gelände sie nicht los.

 

Als kurz darauf die Kuratorenstelle in Erfurt ausgeschrieben war, da bewarb sie sich. Wurde zum Gespräch eingeladen und aus dem Pool der Infragekommenden ausgewählt. Und das, obwohl sie in ihrer wissenschaftliche Karriere nur wenig mit Gartenbau zu tun hatte. „Ich bin einfach eine Generalistin. Ich habe Geschichte studiert, um die Geschehnisse vom Grund her zu verstehen, um Hintergründe zu kennen und diese vermitteln zu können“, erklärt Sibylle Küttner. Dass sie etwas von Museumsarbeit verstünde und dies in Hamburg und Starnberg schon unter Beweis stellen konnte, das hätte jedoch maßgeblich zu ihrer Wahl beigetragen, vermutet sie. Dass sie viele Themen zunächst aus der Sicht der potenziellen Besucher sieht, eben weil sie keine klassische Gartenbau-Fachfrau ist, sicher auch.

 

Und vor allem Letzteres ist interessant, betrachtet man das Deutsche Gartenbaumuseum unter den Vorzeichen der Bundesgartenschau 2021. Schließlich ist die BUGA dann in einer der Keimzellen des deutschen Gartenbaus  zu Gast und wird wohl hunderttausende Besucher nach Erfurt locken. Eine Chance, die auch das Deutsche Gartenbaumuseum ergreifen will, sagt Sibylle Küttner: „Wir haben mit der BUGA ein unglaubliches Potenzial, den Gästen die Geschichte des Gartenbaus näher zu bringen und damit auch unser Haus noch bekannter zu machen.“

Ein Ansatz, der mit viel Neuem gelingen soll. So ist derzeit eine neue Gestaltungsrichtlinie für das Gartenbaumuseum im Werden, eine moderne Ausstellung mit ganz neuen pädagogischen Ansätzen ist geplant und  soll  rechtzeitig zur BUGA eröffnet werden. Und auch Veranstaltungsformate wie der „Grüne Salon“, zu dem erstmals am 4. Juli 2019 in das Museum eingeladen wurde, wollen Erfurter und Gäste in ihren Bann und auf die Cyriaksburg ziehen. 

Text: Paul-Philipp Braun, Fotos: Paul-Philipp Braun (Porträts), Steve Bauerschmidt (DGM)