Blumen und Gemüseschmuck für die Zitadelle

Landschaftsarchitekten überzeugen mit ungewöhnlicher Idee für den Petersberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Laura Heuschneiders Lieblingsplatz auf dem Petersberg ist der Aussichtspunkt auf dem mittleren Plateau nahe der oberen Poterne. Hier schweift der Blick von der Bastion Gabriel zum Ravelin Anselm und zum Festungsgraben in die Tiefe. Durch die ausgedehnten Rasenflächen, die von wenigen Baumgruppen durchbrochen werden, schlängeln sich Wege. Wenige Spaziergänger mit und ohne Hund laufen am Fuße der Festung entlang.  Laura Heuschneider, die Landschaftsarchitektin aus Rheda-Wiedenbrück, hat eine Vision für die momentan winterlich-bereiften Grünflächen: Eröffnungstag der Bundesgartenschau am 23. April 2021 – die Besucher erobern den Petersberg. Inmitten eines bunten Blütenmeeres strahlt das Weiß des Blumenkohls „Erfurter Riese“, schauen keck frisch-grüne oder elegant-violette Kohlköpfe zwischen Erfurter Riesen, den roten Radieschen, hervor, winden sich Erfurter Puffbohnen an Kletterhilfen empor in Richtung Plateau. Dazwischen treffen sich Besuchergruppen in weißen Pavillons mit der Form einer Samenkapsel. Fast wie in der Natur - von der fest verschlossenen Hülle bis zur Öffnung, um dem Keimling Raum zu geben - wechselt deren Gestaltung. Wer nicht gemächlich den geschwungenen  Fußweg vom mittleren Plateau zum Festungsfuß nehmen will, wählt die rasante Fahrt auf einer der blauen Rutschen am Hang entlang, Talabfahrt mitten durch das Meer von Blumen und Gemüsepflanzen der BUGA-Ausstellungsfläche. Laura Heuschneider malt mit  ihrer begeisterten Erzählung Bilder im Kopf des Gesprächspartners: So kann es am 23. April 2021, dem Eröffnungstag der Erfurter Bundesgartenschau, hier aussehen. Eine Idee moderner Grüngestaltung bereichert von den Traditionen des Erwerbsgartenbaus. Begründet von Christian Reichart hat das grüne Handwerk seit dem 18. Jahrhundert Erfurt aus der Riege mitteldeutscher Städte herausgehoben und auch wohlhabend gemacht hat. Mit diesem Thema wirbt die Bundesgartenschau in Erfurt um Besucher aus ganz Deutschland und darüber hinaus für ein Großereignis, dass sich dem Stadtgrün, der bunten Blumenpracht und dem Wettbewerb der grünen Berufe in ihrer ganzen Vielfalt verschrieben hat.

Laura Heuschneiders Vision vom bunt blühenden Festungsraben, in dem traditionelle Erfurter Gemüsesorten ungewöhnliche Akzente setzen, überzeugte die Jury im Wettbewerb für die Ausstellungsflächen ebenso, wie der Entwurf für die Daueranlagen, die im ersten Wettbewerb für den Petersberg gefragt waren. Beide Gestaltungskonzepte, Daueranlagen und temporäre Ausstellungsflächen, werden mit der Handschrift von Heuschneider Landschaftsarchitekten gestaltet. Gerechnet hat Laura Heuschneider mit dem Sieg in beiden Wettbewerben nicht. Bundesgartenschau ist ein neues Terrain, Erfahrungen mit Landesgartenschauen bringen die Westfalen mit. Die sympathische Frau vertraut auf ihr Team, dessen Begeisterung und Motivation.

Dem jetzt gesichtslosen Petersbergplateau einen ganz eigenen Charakter zu verleihen, dazu hat das Team der Landschaftsarchitekten ein überzeugendes Konzept: Klare Wegeführung, verbindende Grünflächen, gelungene Sichtachsen verleihen Struktur, Funktionalität und Charakter. Ein Team von acht Landschaftsarchitekten ihres Planungsbüros, das Laura Heuschneider seit 2012 gemeinsam mit Geschäftspartner Elmar Pröbsting in Nordrhein-Westfalen nahe Bielefeld betreibt, hat sich seit dem Frühjahr 2018 intensiv mit der BUGA-Ausstellungsfläche inmitten Erfurts beschäftigt. Seit der erfolgreichen BUGA-Bewerbung der Landeshauptstadt gab es verschiedene Ideen, wie der Berg über das Jahr 2021 hinaus wieder mit Leben erfüllt werden kann und ein lohnenswertes Ziel für Touristen und Erfurter gleichermaßen wird. Fünf Schwerpunktbereiche hat die Landeshauptstadt ausgewählt, die Vision vom Landesmuseum wäre das I-Tüpfelchen.

Der Petersberg ist ein besonderer Glücksfall für einen Landschaftsarchitekten, ist die gebürtige Westfälin überzeugt, und noch viel mehr eine Herausforderung. Denkmalpflegerische, historische, touristische und natürlich auch finanzielle Aspekte vermischen sich in besondere Weise, machen das Vorhaben enorm vielschichtig.

Eine Besonderheit der BUGA: Während der 178 Tage Ausstellungszeit sollen die Besucher vom ersten bis zum letzten Tag einen gleichbleibend hohen Eindruck von den Ausstellungsflächen haben. In der Umsetzungsplanung ist gerade das knifflig, denn Pflanzen haben feste Vegetationszeiten, Wetter ist nicht vorhersehbar und der Pflegeaufwand muss beherrschbar bleiben. Laura Heuschneider mag solche Aufgaben, sie weiß ein Team um sich, das Hindernisse mit Kreativität und Begeisterung kontert.  Sie hat in Mitteldeutschland studiert und wünscht sich auch deshalb für Erfurt, dass die Bundesgartenschau ein Erfolg wird. Grund ist nicht nur, weil sie maßgeblich dafür geplant hat, sondern, weil sie inzwischen auch ein Erfurtfan geworden ist. Mit der Arbeit am BUGA-Vorhaben hat die zierliche Frau die Stadt in besonderer Weise kennen und lieben gelernt. Auch ihre Kinder, erzählt die dreifache Mutter, sind inzwischen von der Stadt begeistert, mancher Besuch ist nicht nur eine dienstliche Reise, sondern auch ein Familienausflug. Das lässt sich bei der gemeinsamen Begeisterung für die Stadt problemlos verbinden.    Text: Christine Karpe