Zwischen Okzident und Orient

Heike Janetzko schafft Traumgärten in Regionen, wo sonst die Wüste dominiert.  Sie ist der erste Gast und Gesprächspartnerin im Grünen Salon, einem neuen Angebot für  Gartenfreunde und Pflanzenfans mit Blick über den Gartenzaun. Erstmals öffnet der Grüne Salon am 4. Juli 2019 im Deutschen  Gartenbaumuseum im egapark seine Türen. 

Englisch und Russisch, das waren lange Zeit ihre Leidenschaften, das war es, was Heike Janetzko einst studierte. Und womit ihr Job eigentlich gar nicht mehr viel zu tun hat. Denn inzwischen beliefert sie Scheichs und Emire mit einer exklusiven Ware.

 

Heute, fast 30 Jahre nach ihrem Studienabschluss ist die Wahl-Marbacherin Saatgut-Händlerin und das für eine ungewöhnliche Region der Erde. Sie verkauft ihre Waren in die arabischen Golfstaaten, also vorrangig nach Kuwait, Oman und ganz besonders nach Dubai. Als ein Unternehmen aus Thüringen dann einen „Thüringer Showroom“ in Dubai eröffnete und neben Porzellan, Kosmetik und Thüringer Delikatessen auch Erfurter Saatgut in den Ölstaat brachte, da entstand ihre Idee.
 „Das ist eine Welt des Gigantismus, die wir hier nicht unbedingt verstehen können“, sagt Heike Janetzko. Vor 15 Jahren begann sie, ihr Saatgut-Wissen in den Orient zu tragen. Zuvor hatte sie als freiberufliche Export-Managerin bei einem Erfurter Samenzuchtbetrieb gearbeitet.

Denn das Fremde, Aufregende, Ungewohnte reizte sie eigentlich immer.

„Schon als ich noch ein Kind war, war bei uns zu Hause immer etwas los. Und immer wieder waren Kinder aus fremden Nationen – soweit dies eben in der DDR ging – bei uns zu Gast“, erzählt die aus Rostock stammende Heike Janetzko und erinnert sich gern an Kinder aus Palästina, die öfter zu Gast kamen.

 

Sie machte sich 2005 im Saatgut-Handel selbstständig und wusste sofort, was sie wollte: Den Menschen auf der Arabischen Halbinsel hiesige Züchtungen bringen. „Ich habe damals erst einmal Klinken putzen müssen, schaute auf Bauschildern, wer da gerade ein Haus errichtet und vielleicht auch Samen für den Grünbereich braucht und kam so immer wieder mit spannenden Menschen in Kontakt“, sagt sie heute.

 

Einer dieser Menschen war ein Kuwaiti, der heute über 80 ist. Die erste Begegnung mit ihm wird sie wohl nie vergessen: „Wir kamen in sein Büro und über seinem Schreibtisch hing ein Foto mit dem Blick auf das Erfurter Stadtwappen am Petersberg.“ Als sie ihm erzählte, dass sie aus Erfurt komme und er ihr von der Blütenpracht im egapark vorschwärmte, den er kurz zuvor besucht hatte, da war das Eis gebrochen. Noch heute arbeiten die beiden geschäftlich eng zusammen.

 

Inzwischen ist Heike Janetzko, die mit Heike´s Speciality Seeds ihren Namen zur Marke machte, eine bekannte Saatgut-Größe auf der Arabischen Halbinsel. Sie kooperiert mit namhaften Firmen wie Syngenta, Brandkamp und Garsy und bietet ihren orientalischen Auftraggebern europäische Gartenqualität. Während des Winterhalbjahres ist sie alle vier bis sechs Wochen in der Golfregion unterwegs und bringt die Blumensamen manchmal sogar selbst mit zum Kunden. „Das sorgt immer für große Freude am Zoll, wenn ich dann meinen Koffer mit Saatgut im Wert von tausenden Euro gefüllt habe und mein Vorhaben erklären muss“, berichtet Heike Janetzko von ihren Erfahrungen und fügt hinzu, dass ein Gramm Petuniensamen umgerechnet etwa 10 000 Körner sind und dieses Gramm mit Gold aufgewogen werden kann. (Der aktuelle Goldpreis liegt bei etwa 38 Euro pro Gramm).

Eines ihrer größten Projekte sei der Miracle Garden in Dubai. Ein Pflanzenparadies aus 50 Millionen Blumen. Es ist jedoch nur während des Winterhalbjahres geöffnet, zieht dann aber anderthalb bis zwei Millionen Besucher aus aller Welt ganz. „Es ist verrückt, was es dort alles gibt und ich freue mich, daran mitwirken zu dürfen“, berichtet sie. Wenn sich auch der Geschmack der Golfküstenbewohner von dem der Europäer in vielen Punkten unterscheide, Deutschland sei immer wieder ein Ideengeber für das, was sich im grünen Bereich der Wüstenstaaten abspiele. „Dort ist es häufig so, das vor allem auf Masse gesetzt wird. Große, einfarbige Blütenteppiche sind gefragt, mehrdimensionale Blumenbauwerke, knallige Farben“, erzählt Heike Janetzko. Als sie einem Auftraggeber einmal etwas Ziergras präsentierte, da habe dieser sie verdutzt gefragt, wo denn die Blüte sei.

 

Und auch das Thema Urban Gardening – in Mitteleuropa schon seit einigen Jahren ein klarer Trend – käme langsam in der arabischen Region an. Wenn auch eher mit mäßigem Erfolg: „Im Miracle Garden sollte es einen Bereich mit Naschgemüse geben. Was man nicht bedacht hatte, dass dieser bei bis zu 30 000 Besuchern am Tag auch ständig erneuert werden muss“, erzählt Heike Janetzko mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Erst vor wenigen Wochen gab sie dem Kuwait-TV ein Interview, in dem sie über deutsche Küchenkräuter und den heimischen Gemüseanbau sprach. Ein Thema, das eher in die deutsche Welt gehört, aber auch im Orient immer mehr Zuspruch findet und das einmal mehr zeigt, wie weit und wie nahe sich Okzident und Orient zugleich sind. Jene Welten, zwischen denen die Erfurter Saatgut-Händlerin Heike Janetzko hin und her wandert.