Grüne Oasen für die Defensionskaserne

Die BUGA für die Kunst nutzen

 

Sylwia Mierzynska ist ein Energiebündel und von ansteckender Herzlichkeit. An diesem Juninachmittag begrüßt sie die Teilnehmer des ersten von insgesamt fünf Fotoworkshops, den die Künstlerin zur BUGA Erfurt 2021 gibt. Das Ziel des Workshops ist klar: Es soll ein Ausstellungsprojekt entstehen, das die Fassade der Defensionskasernen schöner werden lässt. „Grüne Oasen“ lautet dessen Titel.

Alle Fenster im ersten Obergeschoss der Kaserne sollen sich in diesem Thema zeigen. Dazu werden Fotografien gedruckt und auf die dort befindlichen Holzplatten aufgebracht. Wie genau die Fotos sein werden, das ist im Moment jedoch noch nicht klar. Detailaufnahmen von Pflanzen könnten ebenso dargestellt sein, wie Garteneinblicke oder Blumenfelder. Erst während der Workshops sollen die Motive entstehen. Wer nicht an den Workshops teilenehmen kann, kann sich über ein Einsende-Verfahren beteiligen.

 

Doch zur ersten Ausgabe des gemeinsamen Fotografierens sind schon zwölf Menschen gekommen. Aus der Zeitung oder dem Internet haben sie von dem Angebot Mierzynskas erfahren. Einige von ihnen wurden von der Künstlerin direkt angesprochen, ob sie nicht an dem Fotoprojekt teilnehmen wollen. Und dabei kommen die Fotobegeisterten aus allen Bereichen. In der Vorstellungsrunde dieses ersten Workshops erzählen sie von sich. Sie sind Unternehmensberaterinnen, arbeiten im Außendienst bei Pharma-Unternehmen, haben Aufgaben in der öffentlichen Verwaltung oder verdienen ihr Geld mit Modedesign. Auch hauptberufliche Fotografinnen sind an diesem Nachmittag dabei. Die Fotoausrüstung der Teilnehmenden unterscheidet sich stark. Während einige von ihnen Stativ und einen großen Fotorucksack mitbrachten, haben andere nur eine einfach Digitalkamera in der Tasche. Und sogar Smartphones sind für Aufnahmen gefragt.

 

Es gehe ihr bei dem Projekt weniger um die Technik, mit der die Bilder der grünen Oasen entstehen, als darum, dass die Motive nachhalten, sagt Sylwia Mierzynska. Und dass ihr diese Eindrücke an der Defensionskaserne schon länger sehr wichtig sind, das beweisen ihre bisherigen Projekte. Seit etwa fünf Jahren betreut sie die Open-Air-Ausstellung in den Fenstern des Hauses auf dem Petersberg. Ein Spaziergang sei es gewesen, der ihr die Initialzündung dafür gab. „Damals hingen noch Spanplatten in den Fenstern“, erinnert sie sich. Sie entwickelte die Idee einer Außengalerie, schrieb ein Konzept an die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), die für das Gebäude zuständig ist. Kurz darauf erhielt sie positive Nachrichten und konnte beginnen, die Außengalerie nach ihren künstlerischen Vorstellungen zu gestalten.


Seitdem finden sich immer wieder verschiedene Themenkomplexe an der Kaserne, die sich mit Mierzynska, ihrem Leben und ihrer Philosophie beschäftigen. „Städte und Menschen“ oder „Kultur flaniert“ sind nur zwei Überschriften, unter denen die Fassadengalerie in den letzten Jahren stand. Dass nun ein der BUGA Erfurt 2021 sehr nahes Thema in die Fenster kommt, für die gebürtige Polin Sylwia Mierzynska eine Selbstverständlichkeit. Die BUGA sagt sie, die seit 2009 in Erfurt lebt und zuvor in Krakau Fotografie studierte, eine große Chance für die ganze Stadt. Die solle genutzt werden – auch für die Kunst.


Auch für die Fassadengalerie bekommt mit der Bundesgartenschau Erfurt 2021 eine solche Chance. Alle Gäste des Petersbergs werden sie sehen können, die Strahlkraft des Projekts „Grüne Oasen“ wird von Erfurt aus gestreut.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Denn nur die besten Motive werden einen Platz in den Fenstern der Kaserne bekommen. Um sie zu kreieren sind die Workshop-Teilnehmenden bis in den Oktober hinein beschäftigt. Dann erst soll ausgewählt werden. Sylwia Mierzynska wird die Workshops jedoch mit Leidenschaft, guter Laune und fachkundigen Tipps anleiten und ihre Workshopteilnehmer damit anstecken.

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Text und Fotos: Paul-Philipp Braun