Kakteen-Tradition aus Thüringen

„Haage bleibe er den Kakteen treu“, das waren die Worte, die der sächsisch-kurfürstliche Hofgärtner Johann Heinrich Seidel dem damaligen Gärtnerlehrling Friedrich Adolph Haage mit auf den Weg gab. Zuvor hatte Haage sein Können in der Kakteen-Gärtnerei am Hof des Kurfürsten Friedrich August bewiesen und der Überlieferung zur Folge eine Königin der Nacht, trotz Frostschaden, während des herrschaftlichen Sommerfestes zum Blühen gebracht. Nach der Lehre brachte Friedrich Adolph Haage einen Steckling mit ins heimische Erfurt und begründete so die Thüringer Kakteentradition.

 

Eine hübsche Geschichte, die im 19. Jahrhundert spielt und die sicher mehr als eine Legende ist. Denn die Haages sind den Kakteen treugeblieben und zählen heute mit ihrem Familienunternehmen in der Blumenstraße zu den traditions- und erfolgreichsten Gartenbau-Dynastien Erfurts. Inzwischen führt Ulrich Haage die Kakteengärtnerei, zu der gut ein Dutzend Mitarbeiter zählt und die auf fünf Hektar, davon 5000 Quadratmeter unter Glas, ungewöhnliche Pflanzen anbaut.

 

„Fast alle uns bekannten Kakteenarten stammen aus Amerika – von Kanada bis nach Feuerland“, erzählt Ulrich Haage und fügt hinzu, dass lediglich die Madagaskarpalme nicht vom amerikanischen Kontinent stamme und damit Anlass für verschiedene Theorien rund um die Plattentektonik sei.
Rund 5000 Arten und Sorten hat Ulrich Haage in seinen Erfurter Beständen, große und kleine Exemplare, Kakteen mit und ohne Stachel, blühende und immergrüne Pflanzen. Wer durch die Gärtnerei wandelt, der kann eine Menge von ihnen entdecken und sie auch direkt vor Ort kaufen.

Doch nicht nur bei Kakteen Haage gibt es viel zu sehen. Auch das Danakil-Tropenhaus im egapark wird, wenn es zur Bundesgartenschau im April 2021 eröffnet, eine große Auswahl an Sukkulenten, so werden Kakteen auch genannt,beherbergen. Die meisten von ihnen stammen aus dem zwischenzeitlich abgerissenen Kakteenhaus des Parks, einige – wie etwa der kleine Asselkaktus – sind aber neu. Sie wurden bei Kakteen-Haage gezüchtet.

Doch Ulrich Haage ist bei weitem nicht „nur“ ein Pflanzenlieferant für das Danakil-Haus. Viel mehr war er schon vom Beginn an an der Ausstellung beteiligt. „Viel von dem, was dort zu sehen ist, haben wir gemeinsam ausgeknobelt“, sagt Haage und freut sich, dass Planer und Szenografin ihn ob seiner Erfahrung mit den herausfordernden Pflanzen bei Zeiten mit ins Boot holten. „Wir haben uns dabei die grundsätzliche Frage gestellt, wie Pflanzen in einer lebensfeindlichen Umgebung überleben können und wie wir das den Besuchern möglichst anschaulich vermitteln. Dabei fand ich vor allem die Idee, Pflanzen zu inszenieren, eine sehr spannende“, erzählt er und spricht von einem „gigantisch spannenden Projekt“.

 

Und auch die Bundesgartenschau Erfurt 2021 sieht Ulrich Haage – ganz unabhängig vom Danakil-Haus – als eine tolle Möglichkeit für Erfurt. „Wir haben die Chance, unsere Stadt zu zeigen und vor allem die gärtnerische Leistungsschau wieder aufleben zu lassen“, sagt er und blickt dabei auf eine lange Familientradition zurück. Schließlich waren es Haages Vorfahren, die zusammen mit anderen Erfurter Gärtnern 1865 die Internationale Land- und Gartenbauausstellung ins Leben riefen und damit überhaupt erst den Grundstein für Gartenausstellungen legten. Nun wünscht Haage sich, genau dieses Gefühl wieder aufzugreifen: „Gartenschauen haben in Erfurt eine lange Tradition, nutzen wir sie und transportieren wir unser gärtnerisches Können nach außen!“

Text und Fotos: Paul-Philipp Braun