• Paul-Philipp Braun

Die BUGA provoziert mit Blumen


Ein Team der BUGA 2021 nutzt die Internationale Tourismusbörse (ITB) in Berlin, um die Gartenschau in Thüringens Landeshauptstadt zu bewerben. Vor allem Politprominenz und Fachbesucher kommen gern an den ungewöhnlich gestalteten Stand.


Gelbe Primeln, weiße Milchsterne, rosafarbene Azaleen: Sie sind in diesem Jahr der Hingucker in der Thüringenhalle der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. In kleine, silbrige Blechtöpfchen eingepflanzt, mit dem BUGA2021-Logo versehen und zu einer etwa zwei Meter hohen Wand aufgebaut, ziehen sie Fachbesucher und Aussteller gleichermaßen in ihren Bann. Für BUGA-Geschäftsführerin Kathrin Weiß ein Erfolg: „Wir stechen mit unserer Blumenwand in der Thüringenhalle hervor. Immer wieder kommen Menschen an unseren Stand, um die Installation zu fotografieren. Dann ist es ganz einfach, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“


Mit bunten Blumen werben der egapark und die Bundesgartenschau 2021.

Einer, der am ersten Fachbesucher-Tag ganz bewusst das Gespräch mit dem BUGA-Team am Stand sucht, ist Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Er, der auch offizieller BUGA-Botschafter ist, weiß den außergewöhnlichen Messestand der Erfurter zu würdigen. „Die BUGA provoziert eben mit Blumen“, sagt Ramelow und kann sich ein Grinsen dabei nicht verkneifen. Dass der Ministerpräsident sich bei dieser Provokation jedoch sichtlich wohlfühlt, daraus macht er keinen Hehl.

Trotzdem, meint Ramelow, reiche es nicht aus, sich die Bundesgartenschau auf einer Messe oder auf Bildern anzusehen: „Das Eigentliche ist, dass man sich in die BUGA hineinbegeben muss, um sie zu verstehen.“ Ein Ansatz sei dafür jedoch mit der zweiseitigen Blumenwand schon gemacht. Für besonders wichtig hält Bodo Ramelow die 27 Außenstandorte der Erfurter BUGA. Ein Konzept, das den Gästen einen Blick in die „kleinen Edelsteine Thüringens“ – so nennt Ramelow die Standorte außerhalb Erfurts – gestatte.


Einen dieser Edelsteine bildet Buttstädts Alter Friedhof, der Camposanto. Ganz im Stil italienischer Ruhestätten der Renaissance angelegt, vermittelt der denkmalgeschützte Ort bis heute eine Mischung aus wohligem Unbehagen und purer Faszination. Und natürlich ist er auch im Katalog der Thüringer Außenstandorte abgebildet. Eine Broschüre, die Ramelow bei seinem Messerundgang mit gewohnter Sicherheit zur Hand nimmt, auf der Seite des Camposanto aufschlägt und Thüringens Tourismus-Staatssekretärin Valentina Kerst vorlegt. „Das müssen Sie sich unbedingt ansehen“, betont Ramelow gegenüber der politischen Kollegin und freut sich über ihr sichtlichen Interesse an dem ungewöhnlichen Gottesacker.


Auch Valentina Kerst, am Messetag in einem roten Jumpsuit, der dem Rot der BUGA-Primeln angeglichen scheint, unterwegs, freut sich auf die Bundesgartenschau im Herz des Freistaats. „Die Blumenstadt Erfurt kann so ihre ganze Pracht erblühen lassen und genau das ist spannend“, sagt Valentina Kerst, nach ihrer Einstellung zur BUGA gefragt.

Für sie bietet die Gartenschau allerdings noch mehr Potenzial als das, was mit bunten Blümchen ohnehin schon verbunden wird: „Ein Event wie die BUGA schafft immer wieder Investitionsmöglichkeiten. Der Bau von Hotels und die Entstehung neuer Messen können so vorangetrieben werden. Und es ist ein niedrigschwelliges Angebot, um Touristen nach Thüringen zu locken.“ So erhoffe Kerst sich einen besonderen BUGA-Vorteil bei verschiedenen Maßnahmen zur Landesentwicklung.


Tourismus-Staatssekretärin Valentina Kerst, Ministerpräsident Bodo Ramelow und BUGA-Geschäftsführerin Kathrin Weiß freuen sich auf die Außenstandorte.

Nur kurze Zeit nachdem die offizielle Runde um Ramelow, Kerst und Thüringens Tourismuschefin Bärbel Grönegres den BUGA-Stand verlassen hat, steht ein Mann vor der Blumenwand. Er tritt mit dem Charme und der Optik eines Kavaliers alter Schule auf. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, eine rot-orange-gelb gestreifte Krawatte, eine randlose Brille, das weißgraue Haar zu einem akkuraten Scheitel gekämmt. Meinhold Hafermann ist Geschäftsführer der Hafermann Reisen, eines Reiseunternehmens aus dem nordrhein-westfälischen Witten.


40 000 Reisegäste pro Jahr, zehn eigene und jedes Jahr 1000 gecharterter Busse, 40 Mitarbeiter, 80 freiberufliche Reiseleiter: Hafermann Reisen gehört schon seit Jahren zu den größten deutschen Anbietern für Busreisen. Der Firmeninhaber ist ein routinierter ITB-Besucher, er kennt seine Ziele, weiß, was sich zu besuchen lohnt.

Auch am Stand der Bundesgartenschau 2021, freut sich das Team über Hafermanns Besuch. Für die Marketing-Chefin der Erfurter BUGA, Katrin Weißkopf, ist Meinhold Hafermann ein wichtiger Kontakt: „Wir wollen die Fachbesuchertage zu nutzen, um mit den Unternehmern ins Gespräch zu kommen, die Bus- und Paketreisen nach Erfurt anbieten möchten. Die BUGA bietet nicht nur Stadtentwicklungspotenzial, sie ist vor allem ein für Erfurt einzigartiger touristischer Höhepunkt, den wir gern nutzen möchten.“


Durch den gezielten Kontakt zu Reiseunternehmern will das BUGA-Team Touristen nach Thüringen locken.

Auch der Reiseunternehmer kann dies bestätigen. Bereits seit 1911 – zuerst mit kleinen Automobilen, später dann mit Omnibussen – veranstaltet Meinhold Hafermanns Unternehmen Busreisen innerhalb Deutschlands und ins europäische Ausland. Bundesgartenschauen stehen dabei seit jeher auf dem Reiseplan des Unternehmens aus Nordrhein-Westfalen. Und das aus gutem Grund, wie Meinhold Hafermann sagt: „Die BUGA ist immer wieder ein einfaches Angebot, um den Leuten die Schönheit einer Region zu zeigen. Die Faszination Blumen bewegt die Touristen. Und wenn es ihnen gefallen hat, so kommen auch nachher immer wieder.“


In Heilbronn, der Gartenschau des laufenden Jahres, habe dies bereits geklappt. Nun ginge es darum, Erfurt zu bewerben, meint Hafermann, der Thüringen schon lange als Destination für seine Gäste entdeckt hat. „Seit den 90er Jahren sind wir im Freistaat unterwegs. Der Erfurter Weihnachtsmarkt, die Domstufenfestspiele aber auch die Klassikerstadt Weimar und Eisenach mit seiner Wartburg sind für uns altbekannte Ziele.“ Rund 90 000 Touristen habe sein Unternehmen schon in den Freistaat gebracht, ein Erfolg, an den Meinhold Hafermann auch mit attraktiven BUGA-Reisen anknüpfen möchte. „Es ist die Kombination aus ansehnlichen Städten und idyllischen Landschaften, die unsere Gäste nach Thüringen zieht“, betont Hafermann. Dieser Mehrwert sei es, mit dem er und seine Mitarbeiter immer wieder werben könnten.


Eine Werbung, die auch für die BUGA 2021 zu greifen scheint. Denn schon jetzt, so verrät Meinhold Hafermann, sei die erste Mehrtagesfahrt zur BUGA nach Erfurt gut gebucht.


Mehr Fotos vom Fachbesuchertag auf der Messe gibt´s auch in unserer Bildergalerie:

Text und Fotos: Paul-Philipp Braun