• BUGA-Blog

Mit dem Stadtoberhaupt auf der Stadtkrone

Dunkle Wolken, Regentropfen, Wind. Der Blick fällt auf Baugerüste, vom trockenen Sommer gezeichnete Grünflächen, Dutzende Bauzäune. Das triste Bild, das sich an diesem Freitag, den 13., auf dem Petersberg bietet, passt zum Datum im Kalender – nicht aber zu den Aussichten, die sich für die Stadtkrone präsentieren. Der Oberbürgermeister hatte eingeladen, mit ihm über den Petersberg zu spazieren und den Blick in die Zukunft zu richten. Unterstützt wird er an diesem Nachmittag von Baudezernent Alexander Hilge, Gartenamtsleiter Dr. Sascha Döll, Buga-Chefin Kathrin Weiß und Mitarbeitern der Fachämter.

„Es ist Zeit, dass wir mal rausgehen an den Ort des Geschehens“, begrüßt Bausewein rund 120 interessierte Erfurter. Das Stadtoberhaupt hat eine ganz besondere Verbindung zur Stadtkrone. Wenige hundert Meter entfernt ist er aufgewachsen. Im Verkehrsgarten hat er wie viele andere Erfurter das Radfahren gelernt. Überhaupt war der Petersberg ein großer Abenteuerspielplatz. Aus den Erzählungen seiner Mutter weiß er, dass der Berg bis in die 50er Jahre hinein militärisches Sperrgebiet war. Und auch in Bauseweins Kindheit waren viele Bereiche nicht zugänglich. Umso mehr Respekt zollt er der Bauhütte, deren Mitarbeiter ab 1990 Einiges auf dem Petersberg bewegt und „einen richtig guten Job“ gemacht haben. Die offenen Baustellen werden nun – BUGA sei Dank – in Angriff genommen.



Oberbürgermeister Andreas Bausewein

Das Ziel ist für Bausewein klar. Der Petersberg muss ins Zentrum gerückt werden. Erfurter wie Touristen gleichermaßen sollen hierher kommen und verweilen. Abtauchen in die Geschichte, den Berg in seinem ganzen Umfang entdecken. Sie sollen essen, trinken und feiern. Zur BUGA sowieso, aber auch danach. Ganz nebenbei soll mehr Leben auf dem Petersberg auch einem der größten Probleme hier oben über der Stadt entgegenwirken: Vandalismus. Müll, abgebrochene Bäume und umgetretene Straßenschilder sollen dann der Vergangenheit angehören.

Das Kommandantenhaus bildet den Auftakt zur Führung an diesem wolkenverhangenen Septembertag. Auch zur BUGA wird sich hier der Ausgangspunkt für geführte Rundgänge oder individuelle Entdeckungstouren befinden. Eine Ausstellung zur Festungsgeschichte macht dann neugierig darauf, die Anlage zu erkunden.

Mit Blick auf den barrierefreien Zugang und den Aufzug zum Oberen Plateau beschreibt Bausewein, worauf grundlegend geachtet wird. „Das, was wir hier bauen, muss jahrzehntelang halten“, sagt er. „Und es muss wirtschaftlich betrieben werden können, auch nach der BUGA.“ Das wird beim Aufzug der Fall sein. Weitestgehend wird Barrierefreiheit hergestellt – war das vor wenigen Jahrzehnten noch kein Thema, ist es nun ganz selbstverständlich Grundvoraussetzung.

Im Mittelpunkt des Petersbergs steht die Peterskirche. „Die haben die Preußen schon verunstaltet“, sagt Bausewein mit Blick auf das Bauwerk, dessen Fassade sich momentan hinter einem Gerüst versteckt. Zwei Türme hatte die Klosterkirche einst, die über die des Doms hinausragten. Wer Bauseweins Erzählungen lauscht, wird fast wehmütig beim Gedanken daran, welch atemberaubenden Anblick das Ensemble aus Dom und Peterskirche geboten haben muss. Bis zur BUGA wird die Kirche teilrestauriert und beherbergt eine Ausstellung. Die Kirche soll kein Zufallsfund mehr sein, wenn man auf dem Petersberg unterwegs ist, bekräftigt Alexander Hilge. Als Zentrum des Petersbergs soll sie wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten, erlebbar werden und Besucher anziehen. Vielleicht mit Konzerten? Andreas Bausewein kann sich gut vorstellen, dass sich die Peterskirche nach der BUGA als Veranstaltungs- und Kulturort etabliert.

„Endlich gibt es auch für die Defensionskaserne eine Lösung“, freut sich der Oberbürgermeister einige Meter weiter. Er kennt frühere Überlegungen zum Gebäude, erinnert sich daran, dass hier ein Hotel entstehen sollte. Doch die baulichen Besonderheiten machten viele Ideen zunichte. Bis 2021 soll die Kaserne „BUGA-tauglich“ aufgehübscht werden, langfristig soll ein Landesmuseum einziehen. Zur Bundesgartenschau wird es hier ein gastronomisches Angebot geben – mit Blick auf das neu gestaltete Plateau, das dann die Gärten der Epochen präsentieren wird.

„Schauen, wie es läuft“ müsse man hingegen beim Bastionskronenpfad, sagt Bausewein. „Der Pfad kann so viele Geschichten erzählen. Er öffnet den Weg zu all den versteckten Themen im Berg“, erzählt Baudezernent Alexander Hilge. „Wenn wir das hinkriegen, haben wir ganz viel erreicht.“




Das Echo nach der Führung ist positiv. Stadtführer Roland Büttner gefällt die Idee. „Die Leute müssen die Hintergründe kennen und begeistert werden“, sagt er mit Blick auf das eingezäunte Plateau. Renate Becker freut sich, auch als Erfurterin noch Neues erfahren zu haben, und ist besonders auf die Peterskirche neugierig. Ihre Begleiterin Erika Bensch hat eher auf die Defensionskaserne ein Auge geworfen. Sie hat hier einst gearbeitet und freut sich auf ein Wiedersehen zur BUGA 2021.

Die Führung mit dem Oberbürgermeister ist der Auftakt zu einer Reihe von BUGA-Spaziergängen. Wer den Termin verpasst hat, kann am 2. Oktober um 15 Uhr den Petersberg mit dem BUGA-Team erkunden. Der Oberbürgermeister führt am 4. Oktober durch die Geraaue. Los geht es 16 Uhr im Garnisonslazarett.


Alle Termine finden Sie auf www.buga2021.de/buga-spaziergaenge


Text: Anja Schultz, Fotos: Daniel Baumbach