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Petersberg-Pflaster kommt aus Bad L.


Es ist ein hochfrequentes Geräusch, wenn sich die Sägezähne in den Stein fressen. Nicht mehr so laut, wie noch vor ein paar Jahren, aber unangenehm. Nicht ohne Grund tragen die Männer in der riesigen Halle Gehörschutz. Einen Acht-Stunden-Arbeitstag hält das Sirren keiner aus. Ohne Pause fressen sich die Sägeblätter in die mehrere Meter dicken Steinblöcke, schneiden Steinscheibe für Steinscheibe ab, ganz akkurat, immer mit dem gleichen Maß und das im Zweischicht-System. "So ein großes Sägeblatt kostet 15.000 Euro. Es hält gerademal zwei Wochen, dann muss es gewechselt werden", ruft Ulrich Klösser, der Chef, durch den Krach. Ich schüttele leicht den Kopf und denke: Ach, deshalb ist Naturstein so teuer!

Ich bin auf Werksbesuch in Bad Langensalza, bei der TRACO GmbH. Hier wird das Natursteinpflaster für den Erfurter Petersberg produziert. Das Traditionsunternehmen für Naturstein hatte die Ausschreibung gewonnen. Auch wenn die Firma zu den größten ihrer Art in Deutschland gehört, ist es ein riesiger Auftrag. Rund 1000 Kubikmeter Rohblöcke müssen verarbeitet werden. Sie ergeben 7000 bis 8000 Quadratmeter Pflasterfläche. "Solch eine Bestellung haben wir nicht alle Tage, die ist schon was Besonderes", sagte Ulrich Klösser nicht ohne Stolz. Seit Anfang Februar laufen die Sägen. Im Hof stapeln sich schon die Paletten mit Pflastersteinen, warten auf den Transport ins nur 25 Kilometer entfernte Erfurt. Ein junger Mann, der bei TRACO für die Qualität zuständig ist, sprüht mit blauer Farbe "BUGA 2021" auf die Schutzfolie.

Der Petersberg ist von Kalkstein geprägt. Historische Mauern und Pflaster sind aus diesem Gestein, weil es in unserer Gegend häufig vorkommt, vor Jahrhunderten nicht mühevoll über großen Strecken hinweg transportiert werden musste. Kalkstein gab es ohne großen Aufwand um die Ecke. Um keinen optischen Bruch zu provozieren, hatten sich die Fachleute bei der Petersbergplanung für Kalkstein entscheiden. Dummerweise ist das Naturmaterial relativ weich, nicht so widerstandfähig wie zum Beispiel Granit, aber auch nicht so bröckelig wie Sandstein. Doch ein Pflaster, über das im Jahr Tausende Menschen gehen werden und ab und an auch Autos und kleinere LKW fahren, das muss schon was aushalten können. Auch Frost, Eis und Schnee muss es abkönnen. Schließlich werden die Plätze vor der Peterskirche und dem Restaurant "Glashütte" und die Wege auf dem Petersbergplateau nicht nur für 171 Tage Bundesgartenschau schick gemacht. Dafür ist das alles zu teuer und zu aufwendig. Nein, das Pflaster soll im besten Fall Jahrzehnte halten und dann immer noch gut aussehen.


Die Lösung für das Optik-Haltbarkeits-Problem ist Dolomit, eine ganz spezieller Kalkstein. "Dolomit hat einen hohen Magnesiumanteil und ist dadurch witterungsbeständiger als andere Kalksteine", erklärt mir Ulrich Klösser. "Durch seine leicht porige Struktur ist er rutschfest und sehr gut für den Außenbereich geeignet." Der Dolomit der Wahl kommt aus einem Steinbruch der Firma in Bayern. Er ist gräulich-beige, sieht richtig gut aus, finde ich. Durch Einschlüsse und kleinere Vertiefung ist jeder Pflasterstein ein Unikat. Auch Erfurts Gartenamtsleiter Dr. Sascha Döll ist überglücklich mit dem Pflaster, nicht nur weil es hervorragend zur Petersbergbebauung passe. Auch sei es ein trittsicheres Material. "Die Oberfläche wird noch zusätzlich aufgeraut, damit niemand bei Regenässe oder leichtem Frost ins Rutschen kommt", sagt er.

Damit die Planer und Bauleute genau wissen, wie sie das Dolomit-Pflaster verlegen müssen, hat das Gartenamt eine Musterstrecke anlegen lassen. Direkt hinter der Peterskirche und mit Hilfe eines Natursteingutachters aus der Schweiz. Mit dieser rund 12 Meter langen und zweieinhalb Meter breiten Strecke gibt der Bauherr, also die Stadt Erfurt, exakt vor, wie die Landschaftsbauer die Pflastersteine verlegen sollen. Es darf nichts wackeln, es darf nichts rutschen, und es muss gleichmäßig aussehen. Die Fugenbreiten müssen stimmen. "Die größeren Pflastersteine verwenden wir für die Plätze. Die Kleineren sind für die Wege gedacht. So wird sich das Platzangebot im Pflaster wiederspiegeln", erläutert Gartenamtsleiter Döll die Pläne. Anfang April soll es losgehen mit den Arbeiten. Große Flächen gilt es zu pflastern.

TRACO-Mann Ulrich Klösser freut sich schon auf das Ergebnis. Der Petersberg in Erfurt ist für den Langensalzer so etwas wie der Hausberg. "Seit 25 Jahren liefern wir immer wieder Steine für diese historische Anlage. Das verbindet", meint er. Außerdem ist Klösser ein großer BUGA-Fan. "Es ist toll, Teil einer solch großen Veranstaltung zu sein!" Und ich denke: Wie recht er doch hat!

Text und Fotos: Daniel Baumbach


Hier finden sie das Video zum Thema:

https://www.erfurt.de/ef/de/service/mediathek/video/2020/134907.html