• BUGA-Blog

Der Marbach wird befreit


Bauarbeiten für die Verlegung am Moskauer Platz sind im vollen Gange


Es ist ein einzigartiges Doppel-Projekt für Erfurt und ohne die BUGA 2021 wäre es so auch nie möglich geworden: Nicht nur, dass ein Bach, der einem Ortsteil seinen Namen gibt, aus seinem Beton-Gefängnis befreit und wieder zum Leben erweckt wird – auch soll frisches Wasser aus dem Thüringer Wald einen beeindruckenden Teich entstehen lassen und eine Wiese in ein Biotop verwandeln.

Schauplatz des Ganzen: der Erfurter Norden. Genauer: die Straße der Nationen und die gewaltige Grünfläche nördlich davon bis zur Gera.

Stadtplaner, Wasser-Experten und BUGA-Macher wollen hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Der Marbach, der vor Jahrzehnten einmal seines natürlichen Flusslaufes beraubt worden war und in eine unterirdische Leitung aus Beton gezwängt wurde, soll wieder ein Flussbett bekommen“, sagt Dr. Sascha Döll, Chef des Erfurter Garten- und Friedhofamtes.


Und so wird der Bach auf Höhe der Brücke, über die die Hannoversche Straße geführt wird, seinen bisherigen Verlauf entlang der stillgelegten Bahnlinie verlassen und nach rechts in die Freiheit „abbiegen“ – auf die südliche Seite der Straße der Nationen (genannt NQV). Hier sind Bagger seit Oktober dabei, ein künstliches Flussbett für den kleinen Bach zu schaffen.

„Der Marbach wird nicht immer klein sein“, sagt Carmen Ballin, die Projektleiterin. „Er soll Regenwasser von angrenzenden Straßen und den beiden Uferböschungen aufnehmen, kann bei Starkregen also ganz schön anwachsen.“ 1.300 Meter ist das neue Flussbett lang, es wird rund zehn Meter breit und mehrere Meter tief werden. Und damit das Wasser bei Starkregen nicht die Böschung wegspült, werden Weiden und Erlen gepflanzt, wird das Ganze begrünt.



Blick in Richtung Marbach

Damit der Marbach im neuen Untergrund nicht schon nach ein paar Metern versickert, wird das Erdreich in der Sohle verdichtet und bekommt zusätzlich noch Erosionsschutzmatten. Sitzblöcke sollen Spaziergänger zum Verweilen einladen. „Am Ende des neuen Flussbettes wird der Marbach in die Gera fließen“, sagt Carmen Ballin. Am 15. August, so die Planungen, soll es soweit sein, der Marbach wieder frei sein. Wer will, kann sich über den „befreiten“ Marbach auch von oben freuen – die Stadt plant eine neue, barrierefreie Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die NQV als Ersatz für die alte Brücke aus Beton.

Doch was wird aus den alten, rund einen Meter dicken Betonrohren, in die bisher der Marbach nördlich der Straße der Nationen gezwängt worden war? „Die werden nicht nutzlos im Boden bleiben“, sagt Carmen Ballin. „Sie sind noch gut erhalten und bekommen eine neue Aufgabe.“ Die Thüringer Fernwasserversorgung beabsichtigt, durch die alten, dann gereinigten Marbach-Rohre neue Rohrleitungen einzuziehen und Brauchwasser aus den rund 50 Kilometer entfernten Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser zu leiten, bis zu 600 Liter in der Sekunde.


Das Wasser soll ein Schauwasserkraftwerk antreiben, das am Rande der geplanten Geraterrassen, rund 500 Meter von der Gera entfernt, Öko-Strom erzeugen wird. Das Brauchwasser soll landwirtschaftlichen Betrieben zur Verfügung gestellt werden. Damit nicht genug: Mitten auf der Grünfläche, die sich vom Mühlgraben Richtung Wohnbebauung Moskauer Straße befindet, wird ein Teich entstehen: rund 10.000 Quadratmeter groß, bis zu 200 Meter lang, 70 Meter breit und maximal 2,20 Meter tief. Das Wasser dazu wird vom Schaukraftwerk abgeleitet, bis zu 50 Liter die Sekunde sollen sanft über einen so genannten Uferfilter in den Teich fließen.

Am Ufer soll (erst einmal) für die Zeit der BUGA 2021 ein Café seinen Platz finden, eine Holzplattform soll zum Entspannen einladen, Wiese und Schilfbewuchs am Ufer sorgen für genügend Bio-Feeling. Wer denkt, dass der Teich auch als Badeparadies geeignet ist, der täuscht sich: Das dürften sich nur ganz hartgesottene Erfurter trauen – das Wasser aus den Talsperrren ist sehr kühl. Und viel wärmer wird es auch nicht sein, wenn es teilweise den Teich im nördlichen Teil wieder verlässt und in den (gerade frisch renaturierten) Mühlgraben fließt.

Die Bauarbeiten für den Teich starten im Mai und werden durch EFRE mit 80 Prozent gefördert. Die Verlegung des Baches kostet rund 1,9 Millionen Euro und wird durch die Städtebauförderung und die Thüringer Aufbaubankmit bis zu 85 Prozent unterstützt.

308 Ansichten