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Umzugsplanungen für den Rosenkäfer

Aktualisiert: 10. Sept 2019


Das große Krabbeln hat noch nicht eingesetzt. Der Nachwuchs des Goldglänzenden Rosenkäfers befindet sich in der frühkindlichen Phase. Für den Nachwuchs haben die Käfereltern im Herbst das Totholz eines Baumes auf dem Petersbergplateau als Kinderstube gewählt. Früher als der Mensch hat der Käfer die Schwäche des Baumes, die absterbenden Stellen im Inneren, erkannt und für seinen Nachwuchs genutzt. Eine gute Stelle, die morschen Baumteile sind Wohnung und Nahrung zugleich. Dann hat er seinen weich gebetteten Nachwuchs sich selbst überlassen. Rosenkäfer sind keine Helikoptereltern, setzen auf frühe Orientierung zur Selbständigkeit.

Die später geschlüpften, ca. 5 cm großen weißen Larven verpuppen sich nach einer Häutung im frühen Herbst. Ein Kokon, von einer dünnen Hülle aus Erde, Sand oder Holzstückchen umgeben, bietet ihnen Schutz. Den brauchen sie in besonderem Maße, denn zwei bis drei Jahre dauert es, ehe aus dem Ei ein erwachsener Käfer mit dem prächtigen, goldgrünen Panzer wird. Die Käfer verbleiben und überwintern dann jedoch noch in der Erde und kommen erst im Frühling des darauffolgenden Jahres zum Vorschein. Bis man die Rosenkäfer des Petersberges in Augenschein nehmen kann, braucht es noch viel Geduld.


Baumtorso auf dem Plateau


Der Torso des Baumes auf dem Plateau trotzt der begonnenen Umgestaltung. Ein Schild verweist auf die Bewohner. Das Schicksal des in großen Teilen kranken Baumes ist von Amtswegen besiegelt. Erst das tote Holz machte die Pflanze für den Rosenkäfer interessant. In der Fällgenehmigung ist der Umzug des Käferzuhauses festgelegt. In wenigen Wochen wechselt das Totholz in den geschützten Landschaftsbestandteil auf dem Petersberg. Ganz vorsichtig wird das Baumstück dann aus der Erde gehoben und umgesiedelt. So bleibt den Puppen alle Zeit der Welt, um sich zu einem prächtigen Käfer zu entwickeln, der bedeutende Aufgaben im Ökosystem übernimmt. Das Insekt des Jahres 2000 ist ein wichtiger Humusbildner und Blütenbestäuber.

Cetonia aurata – so die lateinische Bezeichnung des metallisch schillernden Insekts - ist in ganz Deutschland sowie im Süden und in der Mitte Europas verbreitet. Der Goldglänzende Rosenkäfer ist hierzulande durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt.

Der Rosenkäfer (Cetoniinae) gehört zur Überfamilie der Blatthornkäfer (Scarabaeideae). Weitere Vertreter dieser Familie sind beispielsweise der Maikäfer (Melolontha) sowie der Gerippte Brachkäfer (Amphimallon solstitiale).

Die Larven vom Rosenkäfer leben vorzugsweise in weichen Holzresten von beispielsweise Eichen (Quercus), Weiden (Salix) und Pappeln (Populus). Auch Sägemehl oder Kompost werden für die Eiablage aufgesucht. In manchen Fällen findet man die Larven auch im Nest der Roten Waldameise.



Ein Schild verweist auf die Bewohner.

Die meisten ausgewachsenen Käfer ernähren sich vom Nektar und den Pollen der Pflanzen. Aber auch Blütenblätter, Staubgefäße und Blütenstempel stehen auf dem Speiseplan der hungrigen Insekten. Daneben ernährt sich der Käfer vom Pflanzensaft verletzter Pflanzen und von reifen Früchten. Wer ihn im Garten findet, kann beruhigt sein: Der Rosenkäfer verursacht meist keine nennenswerten Schäden.

Für seine Kinderstube war der Rosenkäfer auf dem Petersberg nicht wählerisch, sie befindet sich in einem Götterbaum. Das invasive Gewächs aus China ist dekorativ, schnell wachsend und anspruchslos. Eigentlich ein idealer Stadtbaum, dennoch wird er aus Parks und Gärten verbannt: Das Gehölz breitet sich über seine Samen stark aus und bildet große Wurzelgeflechte, so dass heimische Arten verdrängt werden. Heute wird der Götterbaum in vielen Ländern als Problem-Baumart betrachtet, beispielsweise in Australien, Dänemark, Deutschland, Kanada, Liechtenstein, Österreich, der Schweiz, Spanien, Südafrika, Ungarn und den USA.



Dr. Sascha Döll begutachtet den neuen Standort des Käferzuhauses.


Nun hat der abgestorbene Götterbaum einen neuen Standort bekommen. Am 6. September 2019 wurde er an der Petersbergstraße in Sichtweite zum Bundesarbeitsgericht abgelegt. Zuvor hatte ein Bagger ein zirka 30 Zentimeter tiefes Loch ausgehoben. Wie Amtsleiter Dr. Sascha Döll sagte, soll die Wurzel des Baumes nun langsam austrocknen. Die verbliebenen Käferlarven würden sich in den nächsten Jahren zu Käfern entwickeln und dann für ihre Brut nicht mehr zurückkehren. Den neuen Standort haben wir extra nah am Petersberg-Wäldchen gewählt, damit der Rosenkäfer neues Totholz finden kann. Dort gibt es genügend kaputte Bäume, die sich für die Käferaufzucht eignen. Diese sind übrigens auch in unserem Konzept für den Bastionskronenpfad vorgesehen. Sie werden nicht entnommen", sagte Döll. Wenn die Käfer "ausgezogen" seien aus der alten Wurzel, könne der Götterbaum dann auch entsorgt werden, spätestens in drei, vier Jahren.

Christine Karpe

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