Rückkehr zu den Wurzeln der BUGA

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Die Bundesgartenschau knüpft zu ihrem 70. Jubiläum 2021 in der traditionsreichen Blumenstadt Erfurt an eine lange Tradition bis ins 19. Jahrhundert an.

 

Von Dr. Steffen Raßloff (Erfurt)

 

Wenn am 23. April 2021 die Bundesgartenschau in Erfurt ihre Pforten öffnet, kann die beliebteste florale Ausstellungsreihe Deutschlands auf 70 Jahre Geschichte zurückblicken. Hannover hatte am 28. April 1951 den Reigen mit dem heutigen Stadtpark begonnen, der an die Stelle des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadthallenparks trat. Damit deutet sich bereits ein lange Zeit bestimmender Zweck der Buga an. In den ersten Jahrzehnten ging es vor allem darum, in besonders stark kriegszerstörten Großstädten wie Hannover, Hamburg, Kassel, Köln, Dortmund und Stuttgart neue städtebauliche Akzente zu setzen und die Lebensqualität mit anspruchsvollen Grünanlagen zu verbessern.   

 

Im Laufe der Zeit wuchsen die Dimensionen der alle zwei Jahre stattfindenden Bundesgartenschau, die auch zum touristischen Zugpferd wurde. Mit großem Aufwand entwickelte man jetzt ganze Stadtteile und schuf Freiflächen, die Millionen Besucher anzogen. Rekordergebnisse erzielten 1975 Mannheim mit 8,1 Mio. und München 1983 mit 11,5 Mio. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 kamen unter der Deutschen Bundesgartenschau Gesellschaft (1993) auch kleinere Städte im Osten zum Zuge. Die Buga 2007 Gera/Ronneburg fand als erste in zwei benachbarten Städten statt, 2015 folgte im Havelland sogar eine auf fünf Standorte in Brandenburg und Sachsen-Anhalt verteilte Schau.

 

Freilich reicht die Tradition weit vor das Jahr 1951 zurück. Leistungsschauen mit internationaler Beteiligung und aufwändigen Ausstellungsgeländen finden sich bereits im 19. Jahrhundert. Als eine Art „Ur-Bundesgartenschau“ gilt die „Allgemeine deutsche Ausstellung von Produkten des Land- und Gartenbaues“ 1865 in Erfurt. Damit kehrt die Buga 2021 gewissermaßen an ihren Ursprungsort zurück. In der zeitgenössischen Presse wurde die Schau als „erste, das ganze Gartenwesen umschließende deutsche Ausstellung“, als „ein wahres Fest der nie alternden Göttin Flora“ gefeiert. Schon damals kamen Aussteller aus aller Welt, aus Brasilien, Spanien, Amerika, Chile, Jamaica, Gibraltar, Palästina, Indien und Australien.

 

1876 folgte die „Allgemeine deutsche Gartenbauausstellung“, die am Rande des Stadtwaldes Steiger mit großer Festhalle, großzügigen Freiflächen und Ausstellungshallen bereits auf spätere Bundesgartenschauen vorauswies. Diese und viele weitere Gartenschauen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein fanden nicht zufällig in Erfurt statt. Die „Blumenstadt“ besaß dank ihrer großen Gartenbauunternehmen, wie Haage, Chrestensen, Schmidt, Benary und Heinemann, internationalen Ruf. Trotz aller Rückschläge im Zeitalter der Weltkriege und der deutschen Teilung konnte Erfurt diesen zumindest teilweise behaupten.

 

Das lag nicht zuletzt an der 1961 eröffneten Internationalen Gartenbauausstellung „iga“ in Erfurt. Während die Buga in der Bundesrepublik alle zwei Jahre an einem anderen Standort stattfand, ging man in der DDR eigene Wege. Die iga wurde zur dauerhaften staatlichen Gartenbauausstellung nicht nur der DDR, sondern aller sozialistischen Länder. Damit erhielt die traditionsreiche Blumenstadt eine Monopolstellung im „Ostblock“ und konkurrierte mit den Bundesgartenschauen im Westen. Nach 1990 wurde die iga in den kommunalen „egapark“ (Erfurter Garten- und Ausstellungs GmbH) überführt, der nach wie vor bei den Einheimischen sehr beliebt ist und als zugkräftigste Tourismusattraktion Thüringens gilt. In seinem 60. Gründungsjahr wird das einzigartige Denkmal der Gartenarchitektur der 1960er-Jahre nunmehr zum aufwändig ausgebauten Herzstück der Bundesgartenschau 2021.  

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