Tor zur Festung Petersberg

Das Kommandantenhaus der Zitadelle Petersberg blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Zur Buga 2021 wird es als „Petersberg Entree“ die Besucher der imposanten Stadtfestung empfangen.

 

Von Dr. Steffen Raßloff

 

Die Zitadelle Petersberg gilt als eine der größten und besterhaltenen Stadtfestungen Europas. Sie beherbergt zudem mit dem Torso der Peterskirche einen eindrucksvollen Erinnerungsort an das einstige Benediktinerkloster. Die meisten der immer zahlreicheren Besucher betreten den Petersberg vom Domplatz aus durch die Torfahrt des Kommandantenhauses, über Jahrhunderte Hauptzugang zur Festung. Das schmuckvolle Portal mit dem Wappen des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn erinnert dabei an die unmittelbare Entstehungszeit der Zitadelle nach der Unterwerfung der autonomen Handelsmetropole Erfurt durch ihren Landesherrn 1664, der „Mainzer Reduktion“. Es bildet das früheste und eines der bedeutendsten Baudenkmale des Barock in Erfurt.

 

Von 1665 bis 1706 entstand die gewaltige Trutzburg des katholischen Kirchenfürsten vom Rhein, die sowohl die Erfurter Bürgerschaft als auch die umliegenden evangelischen Länder in Schach halten sollte. Ab 1815 wurde sie unter den Preußen bis ins 20. Jahrhundert hinein immer wieder ausgebaut und modernisiert. Das in der ersten Bauphase ab 1665 errichtete Kommandantenhaus beherbergte dabei, wie der Name vermuten lässt, den Festungskommandanten. Zugleich waren in der Torfahrt die Wachen untergebracht, die den Zugang kontrollierten. Jene sensibelste Stelle der Festung konnte durch Herablassen eines Metallgitters, ein massives Metalltor und bis ins 19. Jahrhundert durch das Hochziehen einer Zugbrücke gesichert werden. Die Schlitze für deren Zugketten sind links und rechts der Tordurchfahrt noch zu erkennen.

 

Mit dem Kommandantenhaus ist auch eines der dunklen Kapitel der Erfurter Geschichte verbunden. Seit 1935 befand sich hier ein Militär- bzw. Kriegsgericht. Dieses verurteilte während des Zweiten Weltkrieges ca. 50 Deserteure zum Tode, von denen einige auch am Petersberg erschossen wurden. An jene NS-Militärjustiz erinnert seit 1995 das „Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur“. Es befindet sich nahe dem Kommandantenhaus am Fuße der Bastionen Leonhard und Philipp. Das Denkmal des Erfurter Künstlers Thomas Nicolai zeigt zwei Reihen von acht Metallstelen. Nur eine der wie Soldaten in disziplinierter Haltung wirkenden Stelen ist individuell geformt und soll den Deserteur darstellen.


 

Nach Kriegsende 1945 schritt die zivile Nutzung des Petersberges weiter voran. Das Kommandantenhaus wurde 1953 zum Haus der Jungen Pioniere „Otto Grotewohl“, einem der in allen DDR-Bezirksstädten eingerichteten Freizeitzentren der staatlichen Pionierorganisation. Dort bot man diverse Freizeitangebote an, die trotz ihrer ideologischen Ausrichtung am SED-Staat auf viel Resonanz trafen. Im Haus konnte man spielen, malen, basteln, Theater aufführen, Sport treiben und sich sogar mit einem Robotron-Rechner auf den vermeintlichen wissenschaftlich-technischen Fortschritt vorbereiten. Auf dem Plateau oberhalb des Gebäudes wurden die Jüngsten im Verkehrsgarten auf die Herausforderungen des Straßenverkehrs vorbereitet.   

 

Nach friedlicher Revolution und deutscher Wiedervereinigung 1989/90 blieben im sanierten Kommandantenhaus zunächst einige Freizeit- und Sporteinrichtungen weiter aktiv. Zugleich erfreute sich das kleine Festungsmuseum in den einstigen Wachräumen der Torfahrt großer Beliebtheit. Es verdankte sich wesentlich dem Engagement von Bürgern und Vereinen, wie dem Förderverein Stadtmuseum Erfurt und dem Erfurter Geschichtsverein. Bis zur Bundesgartenschau 2021 wird nun im Kommandantenhaus und in einem modernen Anbau das „Petersberg Entree“ zur kulturell-touristischen Erschließung der Zitadelle und ihrer Kulturdenkmale entstehen. Hierzu gehört neben einem großzügigen Empfangs- und Veranstaltungsbereich auch eine populäre multimediale Ausstellung zur Geschichte des Petersberges. Das geschichtsträchtige Gebäude ist dabei gewissermaßen Exponat Nr. 1.