Unkraut oder Smoothie?

Für den einen Kompost, für den anderen gesundheitsbewusste Ernährung. Die Meinungen zur kulinarischen Weiterverarbeitung von Unkraut gehen stark auseinander. Wir haben uns mit Fachmann Daniel Zugwurst, BUGA Erfurt 2021-Mitarbeiter für Gärtnerische Ausstellung und Wettbewerbe, darüber unterhalten, was essbar ist und wovon man besser die Finger lassen sollte.

Am 28. März ist Ehrentag des Unkrauts. Eigens für das umstrittene Gartengrün wurde dieser Tag 2003 von Garten-Bloggern eingeführt und seitdem jährlich „gefeiert“. Politisch korrekt ist der Begriff Unkraut allerdings nicht mehr. Heute spricht man von Wildkräutern, Beikräutern oder Kulturpflanzenbegleitern - einigen wir uns auf Wildkräuter. Gemeint sind damit schlichtweg alle Pflanzen in Beet und Rabatte, die meist unerwünscht durch Samen in den Garten eingetragen werden. Während die einen nun regelmäßig jäten und je nach Art mehr oder minder erfolgreich die ungebetenen Gäste des Gartens verweisen, sammeln die anderen fleißig Pflänzchen ein und bringen sie in die Küche, um den Salat zu ergänzen, Smoothies zu mixen oder andere Köstlichkeiten zu zaubern. In dieser Jahreszeit wird besonders der Bärlauch gern gesammelt (Vorsicht: Verwechslungsgefahr mit dem Maiglöckchen, das an gleichen Standorten vorkommt), aber auch Löwenzahn, Giersch oder Brennnessel sind als Zutaten ganz vorn dabei. Sie sind voller Vitamine, Mineralien und Bitterstoffe und nahezu überall zu finden. 

Daniel Zugwurst hat Landschaftsarchitektur studiert und ist ein Pflanzenkenner, er weiß also um die richtige Verwendung.

Ich bediene mich einfach quer durch Beet und Wiese?

Aber nur mit Vorsicht und nur an den Wildkräutern, die man auch sicher bestimmen kann. Beliebte essbare Wildkräuter sind Löwenzahn, Gänseblümchen, Brennnessel, Giersch oder auch Gundermann. Und da gibt es noch viele mehr. Essbare Blüten, wie zum Beispiel von Veilchen, Gänseblümchen oder Kornblumen können dem Salat eine edle Note geben.

 

Also ab jetzt täglich?

Viele Wildkräuter sind gleichzeitig auch Heilpflanzen, manche sind in großen Mengen aber auch nicht gut bekömmlich, d.h. hier ist weniger mehr. Eine Handvoll täglich reicht völlig aus.

Arten wie das Scharbockskraut oder der Waldmeister bilden ungenießbare Stoffe aus, wenn sie ihre Blüten entwickeln, diese sind deshalb vor dem Knospenstadium zu ernten.

 

Wenn ich nicht täglich sammeln will, kann ich die Wildkräuter irgendwie haltbar machen?

Feucht aufbewahren: In ein feuchtes Küchentuch eingewickelt können Wildkräuter mehrere Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden. Auch können die Kräuter gehackt und für einige Wochen eingefroren werden.

 

Noch ein Tipp vom Fachmann:

Wenn Sie Wildkräuter sammeln wollen, achten Sie auf die örtlichen Gegebenheiten. Stark befahrene Straßen, Hundegassi-Ecken, Industriegebiete oder landwirtschaftlich genutzte Wiesen und Felder eigenen sich nicht zur Lebensmittelbeschaffung. Am sichersten sammeln Sie im heimischen Garten, auf naturbelassenen Wiesen oder in Wäldern. Immer jedoch sind die gesammelten Pflanzenteile gut abzuwaschen, um eventuelle unsichtbare Verunreinigungen zu entfernen.

Zum Ehrentag des Unkrauts kann also wirklich gefeiert werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Garten und Beet jetzt zuwuchern sollen, aber vielleicht gibt es ja ein Eckchen, das den Wildkräutern vorbehalten bleibt? Dies freut auch unsere heimischen Insekten, die es ohnehin zunehmend schwerer haben. Einige Wildkräuter haben zudem attraktive Blüten und können auch im Schmuckbeet durchaus ein optischer Leckerbissen sein.

Rezeptidee zum Ausprobieren

 

Smoothie-Rezept mit Brennnesseln

1 Handvoll Brennnesseln (frische, junge Blätter oder Triebe)

1 Banane

1 Handvoll Erdbeeren

Zitronensaft

1 Birne

Wasser oder Eiswürfel immer nach eigenem Geschmack

 

Oder die Klassiker: Waldmeisterbowle (Maibowle) und Bärlauchpesto