Von der Festung zum blühenden Museum

Die Cyriaksburg wandelte sich vom strategisch wichtigen Militärobjekt zum Deutschen Gartenbaumuseum im egapark.

 

Von Steffen Raßloff

 

Die einstige Zitadelle Cyriaksburg verleiht dem egapark, Herzstück der Bundesgartenschau 2021, ein ganz besonderes Flair. Eingebettet in eine blühende Gartenlandschaft erfüllen ihre historischen Gebäude und Außenanlagen wichtige Funktionen. Allen voran die große Defensionskaserne bietet dem in seiner Form einmaligen Deutschen Gartenbaumuseum eine Heimstatt. Die beiden Festungstürme beherbergen eine Sternwarte, eine Ausstellung zur Geschichte der Zitadelle und eine beliebte Aussichtsplattform. Dazwischen erstreckt sich der Skulpturengarten mit zahlreichen Werken führender DDR-Künstler. In der südlichen Caponniere, einem vorgelagerten Verteidigungsbauwerk, lässt sich im gleichnamigen Restaurant trefflich speisen. Eine der einstigen Terrassenbatterien bietet unweit hiervon als „Buchenwaldblick“ die Aussicht zum Ettersberg mit dem markanten Denkmal der KZ-Gedenkstätte bei Weimar.

 

Die friedliche Nutzung des harmonisch in die Parklandschaft eingepassten Zitadellen-Komplexes erinnert kaum noch an dessen militärische Ursprünge. Allerdings lässt der Blick vom Aussichtsturm die einstige strategische Bedeutung erahnen. Von jenem Hügel konnte man im Mittelalter das gesamte ummauerte Stadtgebiet überblicken und Belagerungen leiten. Deshalb ließ der Stadtrat der autonomen Handelsmetropole Erfurt anstelle des dort ansässigen Cyriaksklosters ab 1480 eine Burg errichten, die den Namen des Klosters übernahm. Allerdings zog sich der teure Bau über Jahrzehnte hin, nicht zuletzt wegen des Widerstandes des Landesherrn und der mächtigen Nachbarn, des Mainzer Erzbischofs und der sächsischen Herzöge. Nach der Unterwerfung der Stadt durch Erzbischof Johann Philipp von Schönborn 1664 besaß die mehrfach modernisierte Zitadelle ebenso große militärische Bedeutung wie seit 1802 unter den Preußen. Letztere veranlassten zahlreiche Um- und Neubauten, insbesondere die 1826 fertiggestellte Defensionskaserne als neues Herzstück der Wehranlage.

 

Mit der Entfestigung der Stadt Erfurt nach der Deutschen Reichsgründung 1871 begann die schrittweise Umnutzung. In den 1880er-Jahren entstanden die ersten Grünanlagen, während in der Zitadelle selbst noch preußische Einheiten des 3. Thüringischen Infanterieregimentes Nr. 71 untergebracht waren. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte die Stadt 1919 das gesamte Gelände vom preußischen Staat auf und gestaltete es zum öffentlichen Park, den man seit 1935 vom Aussichtsturm überblicken konnte. Mit der Gartenschau „Erfurt blüht“ 1950 begann die Integration in beliebte Gartenschauen, die seit Eröffnung der iga, der „Internationalen Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder“, 1961 dauerhaft dort beheimatet sind. 1961 öffnete auch das Gartenbaumuseum in der Cyriaksburg seine Pforten. Die traditionsreiche Blumenstadt Erfurt hatte den Wettbewerb um dieses nationale Leitmuseum der DDR mit anderen Standorten, insbesondere mit Markkleeberg, gewonnen. Nach 1990 rückte es zum Deutschen Gartenbaumuseum auf. Einem weiteren Höhepunkt sieht die Zitadelle nunmehr mit der Bundesgartenschau 2021 entgegen, für die das Gartenbaumuseum baulich und inhaltlich umfassend erneuert wird.