Grünes "Savoir vivre" in Erfurt

Deutsche Gartenplaner und Häuslebauer hängen viel zu sehr am Baumaterial, meint Erfurts Chefgärtner Sascha Döll. Und er muss es wissen. Schließlich hat er als Landschaftsarchitekt früher selbst Gärten geplant und mit seiner Firma gebaut. Döll will, dass eine gewisse Leichtigkeit und Verspieltheit einzieht in die Privatgärten unserer Stadt. Dass die Häuslebauer endlich sagen: Wir finden diese Schotterwüsten vor unserer Haustür doof, wir wollen etwas Schönes haben vor und am besten auch hinterm Haus – selbst, wenn die Pflege ein bisschen Arbeit macht. Ein "savoir vivre" im Garten, das wär´s, meint Sascha Döll. Die Menschen sollen verstehen, wie man gut lebt – auch und gerade im Grünen. Gartenkunst gleich Lebenskunst.

 

Nun kann solch eine Einstellung nicht einfach verordnet werden. Zu baumarkthörig sind deutsche Häuslebauer. Und ihre Nachbarn geben ja auch keine neuen Ideen zum Nachmachen. Die haben genauso nur graue, den Gartenliebhaber frustrierende Steine liegen. Oder haben langweilige Rasenflächen und Baumarkt-Palisaden und Tujahecken und Pflanzsteine aus Beton…

 

Es braucht also Vorbilder. Aber woher nehmen? Am besten natürlich aus dem Land der gärtnerischen Leichtigkeit, aus Frankreich, sagt Döll. Dieser Tage war er mit zwei Fachleuten seines Garten- und Friedhofsamtes in Versailles bei Paris. Dort sitzt die "École Nationale Supérieure de paysage", die nationalen Hochschule für Landschaftsgestaltung. Dort wird die französische Gartenkunst gelehrt, und dort suchen die Professoren immer auch nach internationalen Projekten.

 

Döll und seine Mannschaft rannten also offene Türen ein, als sie vorschlugen, dass französische Studierende doch französische Schaugärten für Erfurt planen und bauen können. Eine Fläche dafür gibt es am Petersberg. Die Fachleute vom Garten- und Friedhofsamt stellen Material und helfen beim Bau. Ein solches deutsch-französisches Projekt gab es in Erfurt noch nie – und es ist ein Gewinn für beide Seiten. Die Franzosen bekommen internationale Praxiserfahrung und lernen etwas über das im Nachbarland bewunderte Konzept der Bundesgartenschau. Und wir Erfurter bekommen eine weitere BUGA-Attraktion und viele Anregungen, wie wir unsere Gärten schöner gestalten können. Und wenn alles so klappt, wie geplant, dann wird es eine langjährige Kooperation mit jährlich wechselnden französischen Gärten in Erfurt. Das wird très chic!

Text und Bilder: Daniel Baumbach