Bei der Gärtnerei Rönigk in Bad Langensalza werden derzeit 69 Rosensorten aus der DDR-Zeit für die Bundesgartenschau Erfurt 2021 kultiviert. Sie profitieren hier von einem besonderen Mikroklima und den guten Bodenbeschaffenheiten rund um die Westthüringer Rosenstadt.

 

Wohin man auch schaut, man kommt nicht um sie herum. Seit Jahrzehnten gehört die Rose zu Bad Langensalza, wie die Gera zu Erfurt. Kein Wunder, dass der beschauliche Ort im Westen Thüringens sich ganz selbstbewusst eine Rosenstadt nennt.

Die Wurzeln dieser Tradition liegen in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, als das kleine Dorf Ufhoven, seit 1950 Ortsteil Bad Langensalzas, den Rosenanbau entdeckte. Ein für die Gärtnerei bestens geeignetes Mikroklima und der ausgezeichnete Boden machten es möglich, dass einige der grünen Unternehmen sich ansiedelten. Mit dabei war auch das Ehepaar Anni und Walter Berger, die nach dem zweiten Weltkrieg aus dem nordböhmischen Aussig kamen und die Langensalzaer Rosenzüchtung bis heute beeinflussen. Allein während der DDR-Zeit wurden so 91 neue Rosensorten gezüchtet. Unter ihnen die Alte Liebe, die Salzaperle oder die Sonne der Freundschaft. Viele von ihnen erhielten internationale Preise und fanden sich auch im Rosengarten des Erfurter egaparks wieder.

Für Hans Berger, Sohn der Rosenzüchter und Kuratoriumsmitglied der Anni-Berger-Stiftung, ist es ein Gewinn, dass die BUGA Erfurt 2021 auch den Rosengarten als einen Außenstandort mit ins Boot geholt hat.  „Rosenzüchter brauchen vor allem Ausdauer, ein ausgezeichnetes Spezialwissen und ein stetiges Studium der Fachpresse, um erfolgreich zu sein“, erklärt Berger den großen Aufwand, der mit der Zucht der Königin der Blumen einhergeht.

Einer, der zwar keine Rosen züchtet, sie dennoch anbaut und kultiviert, das ist Volker Rönigk. In fünfter Generation führt er die gleichnamige Rosen- und Baumschule im Ortsteil Ufhoven. Auch sein Sohn ist bereits in das Geschäft mit der Königin der Blumen eingestiegen, er macht zur Zeit die Meisterschule und wird – so ist es zumindest geplant – den Betrieb eines Tages übernehmen und den Rosenanbau in sechster Generation betreiben.

Langensalzaer Rosen in Erfurt zu Hause

Seit 1995 nimmt der Rosenhof Rönigk an den gärtnerischen Wettbewerben der Bundesgartenschauen erfolgreich teil, die zahlreichen Medaillen in der Gärtnerei künden davon. Auf fast jeder Gartenschau holte der Familienbetrieb eine oder mehrere Auszeichnungen und war dafür deutschlandweit unterwegs.

Bei der Erfurter BUGA sind Volker Rönigk und sein Team auch so etwas wie die örtlichen Lokalmatadoren und besonders Traditionsbewahrer. Denn neben dem Engagement für die gärtnerischen Leistungsschauen beteiligt sich die Gärtnerei auch an der Neu- und Umgestaltung des Rosengartens im egapark. Dieser war schon zu IGA-Zeiten einen Besuch wert und überzeugte die Besucher mit seiner Vielfalt und Größe. Eine Besonderheit, die auch zur Bundesgartenschau Erfurt 2021 wiederkehren soll. Und dann mit altbekanntem Charme. Insgesamt 69 DDR-Rosensorten hat die Baumschule aus Bad Langensalza dafür kultiviert. Rund 700 Pflanzen wuchsen aus Reisern auf den zwölf Hektar Anbaufläche des Rosenhofs. „Wir haben das Reiser-Material bereits vom egapark bekommen“, erklärt Rönigk und fügt hinzu, dass Bad Langensalza und Umgebung wegen der großen Bodengüte und des hiesigen Mikroklimas bestens geeignet seien, um die Erfurter Rosen anwachsen zu lassen. „Im November 2019 ging es los, jetzt sind sie inzwischen alle eingepflanzt.“ Einzige Herausforderung könnten Wettextreme wie anhaltende Trockenheit sein, die das Langensalzaer Unternehmen und auch die Erfurter ega-Kollegen, dank ausgeklügelter Bewässerung,  jedoch bestens im Griff haben. Ein Grund: Rosenzüchtungen werden immer widerstandsfähiger gegenüber diesen Extremen und auch gegenüber Krankheiten. Ein jahrzehntealter  Rosenstrauch ist keine Seltenheit. „Rosen sind Pflanzen, die gar nicht so viel Pflege brauchen, wie oftmals angenommen wird und die dafür besonders langlebig sind“, erklärt Gärtner Rönigk. Im Frühsommer wird er im egapark nach der ersten Blüte seiner „Zöglinge“ schauen.

 

 

 

Text/Fotos: Paul-Philipp Braun